Heute ist der 16.05.2026, und während wir hier in der Klimaforschung über die aktuellen Entwicklungen diskutieren, gibt es spannende Neuigkeiten aus der Welt der Klimamodelle. Wer hätte gedacht, dass die internationale Klimaforschung plötzlich Entwarnung gibt? Die Erwärmung der Erde scheint langsamer voranzuschreiten, als wir es bislang angenommen haben. Das „World Climate Research Programme“ (WCRP) hat das Extrem-Szenario „RCP8.5“ für ungültig erklärt. Ein Szenario, das über Jahre hinweg als Grundlage für viele Klimapolitiken, auch in Deutschland und der EU, diente.
RCP8.5 wurde als das Worst-Case-Szenario schlechthin betrachtet, mit apokalyptischen Vorhersagen – untergehende Küstenstädte, Millionen Klimaflüchtlinge. Jetzt zeigt sich, dass die zugrunde liegenden Annahmen, wie die Verdreifachung des Kohleverbrauchs und der Mangel an technologischen Fortschritten, nicht mehr haltbar sind. Roger Pielke Jr. betont, dass die reale Emissionsentwicklung und technologische Fortschritte die düsteren Prognosen von RCP8.5 widerlegt haben. Und das zieht sich durch die gesamte Klimawissenschaft, wo eine langsame, aber spürbare Korrektur in der Wahrnehmung von Klimaszenarien stattfindet.
Politik und Realität – Ein schwieriges Verhältnis
Die Klimapolitik in Deutschland, die auf diesen alten Annahmen fußt, steht jetzt auf der Kippe. Bis 2045 soll Deutschland „klimaneutral“ werden und dazu gehört der Verzicht auf fossile Brennstoffe, die immerhin 80% des Primärenergiebedarfs decken. Ein ambitioniertes Ziel, das allerdings in der Praxis mit großen Herausforderungen verbunden ist. Die Bundesregierung und die EU-Kommission halten an ihrer bisherigen Klimapolitik fest, trotz der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse. CO2-Aufschläge verteuern die Energie und gefährden die internationale Wettbewerbsfähigkeit – ein Dilemma, das nicht ignoriert werden kann.
Die EU-Gebäuderichtlinie, die ab Ende Mai 2023 greift, sieht vor, dass Neubauten ab 2030 emissionsfrei beheizt werden müssen. Dazu kommen Pflichten für Wärmepumpen und Solaranlagen, um die Energiewende voranzutreiben. Das Ziel ist ehrgeizig: der Energieverbrauch in Bestandsbauten soll bis 2035 um 22% gesenkt werden. Um das zu erreichen, sind schnelle Umbauten notwendig, die an vielen Stellen noch in den Kinderschuhen stecken.
Eine neue Ära der Klimaforschung?
Auch die neuen Szenarien für die Klimamodellierung, die im Rahmen von CMIP7 entwickelt wurden, zeigen, dass extreme Hoch-Emissionspfade gestrichen wurden. Das neue HIGH-Szenario, das bis 2100 einen Strahlungsantrieb von nur 6,7 W/m² erreichen soll, liegt unter den alten Werten. Dennoch gibt es weiterhin berechtigte Zweifel, ob diese neuen Modelle wirklich eine realistische Perspektive für die Zukunft bieten. Die zugrunde liegenden Bevölkerungsannahmen im SSP3-Pfad sind problematisch und stehen im Widerspruch zu aktuellen demografischen Trends.
Im Kontext dieser Entwicklungen hat das Bundesverfassungsgericht die erste Änderung des Bundes-Klimaschutzgesetzes (KSG) am 18.08.21 beschlossen. Die neuen, verschärften Ziele sehen eine Minderung der Treibhausgas-Emissionen um mindestens 65 % bis 2030 und sogar 88 % bis 2040 vor. Ein straffer Kurs, der in Anbetracht der aktuellen Forschungsergebnisse vielleicht neu überdacht werden sollte. Vor allem die Einführung verbindlicher Minderungsziele für verschiedene Sektoren – von der Energiewirtschaft bis zur Landwirtschaft – könnte sich als schier unmöglich erweisen, wenn die Grundlage der Klimamodelle ins Wanken gerät.
Die Diskussion um die Klimapolitik wird sicherlich noch intensiver werden, und es bleibt spannend, wie sich die Ergebnisse der Klimaforschung auf konkrete politische Maßnahmen auswirken werden. Eines ist sicher: Die Zeit für ein Umdenken ist gekommen, und das betrifft nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die politische Umsetzung. Wir stehen am Anfang einer neuen Ära der Klimaforschung und der -politik – und das könnte sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringen.