In der Klimaforschung hat sich in den letzten Jahren viel getan, und das nicht immer zum Besten. Jahrelang prägten Horrorszenarien die Medienlandschaft: Meeresspiegelanstieg, Extremwetter und die drohende Klimakatastrophe standen an der Tagesordnung. Modellpfade, die auf unterschiedlichen Treibhausgaskonzentrationen basierten, waren die Grundlage für die düsteren Prognosen. Ein solches Extrem-Szenario war das RCP8.5, das bis 2100 einen Strahlungsantrieb von 8,5 Watt pro Quadratmeter beschreibt. Ursprünglich als Extremfall gedacht, wurde es jedoch häufig als das wahrscheinlichste Szenario dargestellt – ein Umstand, der zunehmend in der Wissenschaft und der Öffentlichkeit kritisiert wurde. Zeke Hausfather und Glen Peters, zwei prominente Kritiker, warnten bereits 2020 davor, RCP8.5 als den wahrscheinlichsten Verlauf unserer Zukunft zu betrachten.

Mit der neuen Modellgeneration CMIP7, die den Fokus auf weniger extreme Hochszenarien legt, scheint sich nun eine Wende abzuzeichnen. Roger Pielke jr. hat betont, dass das RCP8.5 in dieser neuen Generation nicht mehr die gleiche Rolle spielen wird. Das britische Portal The Daily Sceptic ist sogar so weit gegangen, zu behaupten, viele alarmistische Klimawarnungen basierten auf RCP8.5 und seien somit als „Müll“ abzutun. Es ist ein bisschen wie das alte Sprichwort: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“ Die dramatischen Szenarien, die in Wissenschaft und Medien immer wieder auftauchen, erzeugen Aufmerksamkeit, doch sie vermitteln oft ein verzerrtes Bild der Realität.

Die Neubewertung von RCP8.5

Interessanterweise sind Szenarien wie RCP8.5 keine Prognosen im klassischen Sinne. Sie zeigen vielmehr mögliche Entwicklungen unter bestimmten Annahmen auf. Die Neubewertung dieses Szenarios bedeutet jedoch nicht, dass Klimamodelle insgesamt nutzlos sind. Andere Szenarien deuten weiterhin auf eine erhebliche Erwärmung hin. Detlef van Vuuren, einer der Mitentwickler der neuen Szenarien, hat betont, dass auch niedrigere Hochszenarien mit erheblichen Temperatursteigerungen einhergehen können. Mit den neuen Klimaszenarien, die aus dem Coupled Model Intercomparison Project (CMIP) hervorgegangen sind, wurde ein neuer Rahmen geschaffen, der dem Siebten Sachstandsbericht (AR7) des IPCC zugrunde liegen wird.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass das RCP8.5-Szenario oft als „Business-as-usual“-Pfad beschrieben wurde, der auf fossilen Brennstoffen basiert und keine klimapolitischen Maßnahmen ergreift. Inzwischen hat das internationale Gremium, das Klimamodelle entwickelt, entschieden, die extremsten Szenarien, einschließlich RCP8.5, aus der Diskussion zu eliminieren. Die neuen hoch-emissionsszenarien erreichen 2100 nur noch 71 Gt CO₂/Jahr, was weit unter dem Wert von 128 Gt liegt, der für SSP5-8.5 prognostiziert wurde. Es ist ein bisschen wie der Versuch, den Elefanten im Raum zu ignorieren – die Realität hat sich gewandelt!

Politische Auswirkungen und Herausforderungen

Die Revision der Klimaszenarien hat bedeutende wirtschaftliche und politische Auswirkungen. Die neuen Szenarien sind jetzt in den politischen Strategien und Vorschriften vieler Länder verankert. Auch wenn die Prognosen für die Jahre 2080 bis 2100 im Vergleich zu früheren Berichten gesunken sind, bleibt die Frage der Plausibilität der Annahmen bestehen. Der Begriff „Plausibilitäts-Vakuum“ drängt sich förmlich auf, wenn man bedenkt, dass die Annahmen hinter diesen Szenarien nicht systematisch überprüft werden. Die Entwicklung von sozioökonomischen Szenarien ist ein langwieriger Prozess, und die Unsicherheiten in der Modellierung werden nicht geringer.

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Die DWD-Referenz-Ensembles basieren auf SSP-Szenarien und haben gezeigt, dass die bisherigen Hochszenarien nicht mehr als plausibel gelten. Stattdessen haben die neuen Szenarien die Emissionsbereiche verengt, wobei höhere Szenarien gesenkt und niedrigere angehoben wurden. Das MEDIUM-Szenario, das als „Szenario der politischen Stagnation“ beschrieben wird, weicht außerdem von anderen Prognosen ab. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Entwicklungen auf zukünftige politische Entscheidungen auswirken werden und ob die Wissenschaftler es schaffen, die Öffentlichkeit für die tatsächlichen Herausforderungen der Klimakrise zu sensibilisieren – ohne dabei in alarmistische Rhetorik zu verfallen.