Der Wind bläst nicht nur durch die Wälder, sondern auch durch die Hallen des Weißen Hauses. Während die Welt sich um Klimaschutz und erneuerbare Energien dreht, plant US-Präsident Donald Trump, der Kohleindustrie einen satten Zuschuss von 700 Millionen US-Dollar zukommen zu lassen. Fast schon nostalgisch erinnert man sich an die Zeiten, als Kohle mehr als die Hälfte der Stromerzeugung in den USA ausmachte. Heute sind es weniger als 20 Prozent. Ein echter Rückgang, der die Frage aufwirft: Ist die Rückkehr zur Kohle wirklich der richtige Weg?
Der Einsatz des Defense Production Act, ein Relikt aus dem Kalten Krieg, sorgt für gemischte Gefühle. Trump will damit weitreichende Eingriffsrechte in die Industrie erlangen. Die Mittel sollen für die Modernisierung von über einem Dutzend Kohlekraftwerken, den Bau von zwei neuen Anlagen und einem Exportterminal an der Westküste verwendet werden. Damit möchte er den hohen Strombedarf von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz decken und die Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen verringern. Ganz so, als wäre Kohle das neue Gold. Der Branchenverband National Mining Association applaudiert, aber Umweltschützer wie der Sierra Club sind alles andere als begeistert.
Umwelt- und Gesundheitsbedenken
Die Kritik an den Plänen zur Stützung der Kohleindustrie ist laut und deutlich. Der Sierra Club kündigt rechtliche Schritte an und bezeichnet die Förderung als Subvention für eine umweltschädliche Industrie. Es ist ein ständiges Hin und Her: Während die Kohleproduktion in den USA seit Jahren rückläufig ist, setzen Versorger zunehmend auf Erdgas und erneuerbare Energien. Und das ist nicht verwunderlich, denn die Beschäftigtenzahl im Kohlebergbau sank von rund 51.500 im Jahr 2017 auf etwa 39.800 im vergangenen Jahr. Wo sind all die Arbeitsplätze hin? Es scheint, als würde die Kohlebranche den Anschluss verlieren.
Doch es gibt einen weiteren Aspekt, der nicht ignoriert werden kann: Der Krieg mit dem Iran hat die Energiekosten in die Höhe getrieben, und Trump sieht seine Maßnahmen als eine Möglichkeit, die Kosten für die Verbraucher zu senken. Aber um welchen Preis? Eine Umweltschutzkoalition aus etwa hundert demokratischen Abgeordneten kritisiert die Investition in Kohle und warnt vor den Folgen für die Amerikaner und die Umwelt. Es ist ein schmaler Grat zwischen Energiesicherheit und Umweltschutz.
Ein Blick auf die Zukunft
Im Kontrast dazu steht die Agenda von Joe Biden, der 2021 mit einer Vision für eine „saubere“ Energiezukunft ins Amt kam. Er setzt stark auf erneuerbare Energien wie Photovoltaik, Batterien und grünen Wasserstoff. Der Inflation Reduction Act (IRA) stellt Milliarden für die Energiewende bereit. Doch trotz dieser Bemühungen bleibt der Verbrauch fossiler Energieträger hoch, und der Kohleanteil in der US-Stromerzeugung ist von 50 Prozent im Jahr 2007 auf nur 16 Prozent im Jahr 2023 gefallen. Ein klarer Trend, der zeigt, dass die Welt sich weiterentwickelt, auch wenn einige Schritte zurückzugehen scheinen.
Die USA sind nach wie vor der größte Erdgasproduzent und haben im Jahr 2020 sogar den Status eines Netto-Ölexporteurs erreicht. Flüssiggasexporte nach Europa stiegen erheblich, und die Nachfrage nach erneuerbaren Energien wächst. Aber die politische Kluft zwischen Republikanern und Demokraten bleibt bestehen. Trump setzt auf Energiesicherheit und Wirtschaftlichkeit, während Biden auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz fokussiert ist. Die Wahlen 2024 könnten einen entscheidenden Einfluss auf die US-Energiepolitik haben, und es bleibt abzuwarten, in welche Richtung der Wind weht.