Die Diskussion über die CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre nimmt Fahrt auf. Das Thema ist drängender denn je, denn die Treibhausgas-Emissionen steigen weiter an. Trotz aller Bemühungen um Klimaschutz, schafften wir es 2025, einen Rekordwert von 38,1 Milliarden Tonnen CO₂ zu erreichen. Ein echtes Dilemma, wenn man bedenkt, dass das Pariser Klima-Abkommen uns verpflichtet, die globale Erwärmung unter zwei Grad, idealerweise sogar unter 1,5 Grad, zu halten. Um das zu erreichen, müssen wir CO₂ aus der Luft entfernen – und zwar in großem Stil.

Aktuell sind technische Verfahren zur CO₂-Entnahme, auch CDR genannt (Carbon Dioxide Removal), nicht nur teuer, sondern auch noch in den Kinderschuhen. Ein Bericht einer internationalen Forschungsgruppe hat ergeben, dass die Kosten oft über 200 US-Dollar pro Tonne CO₂ liegen. Das ist schon ein ordentlicher Batzen Geld! Um den Klimazielen gerecht zu werden, müssen wir bis 2030 die jährliche CO₂-Entnahme auf etwa 2,9 Milliarden Tonnen steigern. Derzeit schaffen wir nur etwa 2,2 Milliarden Tonnen – und das hauptsächlich durch natürliche Verfahren wie Aufforstung. Ein kleiner Lichtblick: Die neuen Technologien wachsen mit etwa 40% pro Jahr. Aber selbst wenn alle Projekte umgesetzt würden, könnten wir bis 2030 nur rund acht Millionen Tonnen CO₂ entfernen – eher ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Herausforderungen der CO₂-Entnahme

Die Fokussierung der Klimapolitik auf die Begrenzung des bereits angerichteten Schadens wird immer deutlicher. Es gibt immer mehr Staaten, die sich Netto-Null-Ziele setzen, doch nur ein Drittel dieser Länder berücksichtigt neuartige CDR-Verfahren in ihren Strategien. Die Abhängigkeit von wenigen Technologien, Staaten und großen Unternehmen im CDR-Sektor ist besorgniserregend. Gleichzeitig fehlt es an politischen Regeln und wirtschaftlichen Anreizen, um die notwendigen Entnahme-Technologien schnell zu entwickeln und anzuwenden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat bereits Anforderungen für das Förderprogramm formuliert, doch die Unterstützung und Akzeptanz der Bevölkerung sind entscheidend für den Erfolg.

Wir stehen also vor einem Dilemma: einerseits müssen wir die CO₂-Emissionen drastisch reduzieren, andererseits fehlt es an klaren, verbindlichen Zielen und an den nötigen Investitionen in Technologien, die die Kosten senken könnten. Die technischen Verfahren zur CO₂-Entnahme sind sehr unterschiedlich, von Pflanzenkohle bis hin zu Biomasse mit CO₂-Abscheidung (BECCS). Derzeit stammen fast alle neuartigen CO₂-Entnahmen aus diesen Methoden. Das ist eine spannende, aber auch herausfordernde Zeit für die Forschung und Entwicklung im Bereich der CO₂-Entnahme.

Gesellschaftliche Verantwortung und Marktchancen

Eine gut ausgestattete, transparente und öffentliche Forschungsförderung zu CO₂-Entnahmemethoden ist unerlässlich, um das volle Potenzial dieser Technologien auszuschöpfen. Die interdisziplinäre Ausrichtung der Projekte, die technologische Machbarkeit sowie politische, ethische und sozialwissenschaftliche Analysen berücksichtigen, sind wichtig. Dabei müssen wir auch die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen für ein effektives CO₂-Entziehen und -Speichern identifizieren. Komischerweise wird oft vergessen, dass die breite Unterstützung in der Bevölkerung entscheidend für den Ausbau dieser Verfahren ist. Die Menschen müssen verstehen, warum CO₂-Entnahme wichtig ist.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Wenn wir es schaffen, die Technologien erfolgreich zu entwickeln, könnten sich sogar Marktchancen und Exportmöglichkeiten für die deutsche Wirtschaft ergeben. Das DLR Projektträger arbeitet daran, einen Wissensvorsprung im internationalen Vergleich zu erarbeiten. Aber die Zeit drängt – schließlich müssen wir die CO₂-Entnahme bis 2030 auf 70 bis 100 Millionen Tonnen steigern, um den Klimazielen gerecht zu werden. Die natürlichen CO₂-Speicher wie Wälder sind nicht nur wichtig für den Klimaschutz, sondern leiden auch unter dem Klimawandel. Wir müssen schnell handeln, denn die Welt schaut auf uns.