Die Welt steht am Scheideweg – das wird immer klarer, wenn man mit jemandem spricht, der sich intensiv mit den Auswirkungen des Klimawandels beschäftigt. Friederike Otto, eine der führenden Stimmen in der Klimaforschung, hat sich mit ihrer Arbeit unermüdlich dafür eingesetzt, die Zusammenhänge zwischen Extremwetterereignissen und der Erderwärmung zu entschlüsseln. Ihre beeindruckende Karriere, die sie von Potsdam und Berlin über Oxford bis hin zum Imperial College in London führte, spiegelt nicht nur ihre Expertise wider, sondern auch ihr Engagement für die Wissenschaft. Und das Beste daran? Sie ist Optimistin! Im Interview betont sie, dass die Welt noch zu retten sei – auch wenn die Herausforderungen gewaltig sind.

Der Klimawandel ist nicht einfach ein Schlagwort oder ein Thema für die nächste Konferenz. Er ist real, spürbar und hat bereits verheerende Auswirkungen auf unser tägliches Leben. Die Zunahme von Extremwetterereignissen ist ein zentrales Problem, das durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe – Öl, Kohle und Gas – verursacht wird. Diese Verbrennung setzt Treibhausgase frei, die Wärme absorbieren und zu einer globalen Erwärmung führen. Laut Otto beträgt die Erwärmung im 20. und 21. Jahrhundert etwa 1,4 bis 1,5 Grad, und das führt zu einer schrecklichen Kettenreaktion: Häufigere Dürren, stärkere Hitzewellen, verheerende Überschwemmungen und alles andere, was das Wetter aus dem Gleichgewicht bringt.

Die Realität der Extremwetterereignisse

Im Jahr 2025 erlebten wir eine dramatische Zunahme an Extremwetterereignissen, die durch den Klimawandel bedingt waren. Dürren, Hitzewellen, Wirbelstürme und Waldbrände – die Liste der Wetterextreme ist lang. Trotz der Hoffnung, dass ein kühleres Jahr in Sicht ist, blieben die globalen Temperaturen aufgrund menschlicher Emissionen auf einem erschreckend hohen Niveau. Es wird prognostiziert, dass 2025 eines der heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen wird. Das ist kein Grund zur Freude, sondern ein Weckruf für uns alle. Die Klimawissenschaftler wie Theodore Keeping vom Imperial College London machen deutlich, dass die menschlichen Aktivitäten die Hauptursache für diese Wetterextreme sind.

Die World Weather Attribution hat für 2025 bereits 157 Extremwetterereignisse dokumentiert, die einen direkten Einfluss auf die Menschen hatten. Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass Hitzewellen als die tödlichsten Extremwetterereignisse gelten und im Jahr 2025 in Europa etwa 24.400 Menschenleben gefordert haben. Wenn wir nicht schnell handeln, wird sich diese Zahl nur noch weiter erhöhen. Die ärmsten und verletzlichsten Gesellschaften, insbesondere Frauen und Mädchen in diesen Ländern, sind am stärksten betroffen. Es ist tragisch, wie ungleich die Folgen des Klimawandels verteilt sind – die, die am wenigsten zur Krise beigetragen haben, leiden am meisten.

Wissenschaft und Verantwortung

Die Zuordnungsforschung, die Otto mitbegründet hat, spielt eine entscheidende Rolle, um die Wahrscheinlichkeit von Extremwetterereignissen mit und ohne Klimawandel zu vergleichen. Ihre Forschung hat gezeigt, dass beispielsweise die Flut im Ahrtal 2021 durch extreme Niederschläge, die durch den Klimawandel wahrscheinlicher wurden, enorm verstärkt wurde. Statistische Modelle und Beobachtungsdaten sind dabei unerlässlich, um die Realität des Klimawandels zu verstehen und die Dringlichkeit des Wandels zu erkennen.

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Der Klimawandel geschieht schneller, als sich Gesellschaften und Ökosysteme anpassen können. Otto warnt, dass Anpassung allein nicht ausreicht – wir müssen auch den Ausstieg aus fossilen Energien beschleunigen, um die Erderwärmung zu stoppen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, und die Notwendigkeit, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, ist dringender denn je. Ein neuer Bericht des IPCC zeigt, dass die Oberflächentemperatur der Erde so schnell steigt wie seit 2000 Jahren nicht mehr. Küstenüberschwemmungen, die früher einmal in hundert Jahren auftraten, könnten bald jährlich Realität werden.

Die Wissenschaft hat die Mittel und Wege, um die Ursachen des Klimawandels zu verstehen. Dennoch müssen wir als Gesellschaft und Individuen Verantwortung übernehmen. Ökologische Lösungen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes, wie die Rückgewinnung natürlicher Überflutungsflächen und die Renaturierung von Gewässern, sind nur einige Aspekte, die wir angehen müssen. Es liegt an uns, die Weichen für eine nachhaltige Zukunft zu stellen.