Heute ist der 26.05.2026, und während wir hier in der Klimaforschung sitzen und uns mit den neuesten Ergebnissen beschäftigen, wird uns erneut vor Augen geführt, wie dringend unser Handeln ist. Forscher des World Climate Research Programme haben kürzlich verschiedene Szenarien zur Erderwärmung unter die Lupe genommen, und die Ergebnisse sind alles andere als beruhigend. Anfang April 2023 wurden die Ergebnisse in der Zeitschrift „Geoscientific Model Development“ veröffentlicht. Im gravierendsten Szenario schätzten die Experten eine Temperaturerhöhung von etwa 3,5 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts – und das ist noch nicht alles. Es gibt sogar Prognosen, die besagen, dass die Temperatur nach 2100 weiter steigen könnte, möglicherweise bis zum Niveau, das man früher für 2100 vorhergesagt hat. Dies ist nicht einfach eine theoretische Übung; die Wahrscheinlichkeit von Kipppunkten, die zu drastischen Veränderungen führen können, ist gestiegen.
Besonders besorgniserregend ist, dass es mittlerweile keine Szenarien mehr gibt, bei denen die Erwärmung unter 1,5 Grad Celsius bleibt. Selbst die optimistischsten Annahmen zeigen, dass wir dieses Ziel überschreiten werden. Und während wie gewohnt Politiker wie Donald Trump und die AfD-Fraktion im Bundestag versuchen, diese Ergebnisse als Panikmache abzutun, mahnt Detlef van Vuuren, der Hauptautor der Studie, eindringlich, dass dies nicht bedeutet, dass wir einen gefährlichen Klimawandel abwenden können. Die verzweifelten Versuche, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diskreditieren, gefährden die ohnehin schon fragilen Klimabemühungen.
Die Rolle von Hochemissionsszenarien
Ein weiterer interessanter Aspekt kommt von Nebojša Nakićenović, dem Vater des RCP8.5-Szenarios. Er sprach kürzlich auf einer Konferenz der Tsinghua-Universität in Peking über Klimaneutralität. Nakićenović ist bekannt dafür, dass er das RCP8.5-Szenario, das 2011 veröffentlicht wurde, entwickelt hat. Klimaforscher betrachten diese Annahmen mittlerweile als „unplausibel“ und schließen sie aus ihren Überlegungen aus. Doch Nakićenović sieht das anders. Er hält es für falsch, dieses extreme Szenario einfach auszublenden, da die reale Entwicklung durchaus negativ verlaufen könnte. Er betont die Notwendigkeit, solche Hochemissionsszenarien zu berücksichtigen, um Klimamodelle zu testen und uns auf die Anpassung an den Klimawandel vorzubereiten. Außerdem warnte er davor, dass geopolitische Krisen und Energiekrisen die Länder dazu treiben könnten, verstärkt auf Kohle zurückzugreifen – und das wäre fatal.
Das RCP8.5-Szenario beschreibt eine Welt ohne Klimaschutzmaßnahmen, mit einer Bevölkerung von zwölf Milliarden Menschen und minimalem Wirtschaftswachstum bis zum Ende des Jahrhunderts. Kritiker halten die Annahmen für unrealistisch, insbesondere die Verzehnfachung der Kohlenutzung und die Verdreifachung des CO₂-Gehalts. Dennoch argumentiert Nakićenović, dass die Narrative und Berechnungen des Szenarios wichtig sind, egal wie wahrscheinlich sie erscheinen mögen. Inmitten solcher Überlegungen bleibt die Frage: Wie wird sich die politische Landschaft entwickeln? Immer wieder hören wir Stimmen, die der Klimaforschung Panikmache vorwerfen und von einer vermeintlichen „Verbotspolitik“ sprechen. Doch was passiert, wenn wir diese Warnungen ignorieren?
Die Realität, in der wir uns befinden, ist komplex und voller Unwägbarkeiten. Trotz des Pariser Klimaabkommens von 2015 und dem Wachstum erneuerbarer Energien sieht Nakićenović die Lage als problematisch an. Länder wie die USA haben sich aus dem Klimavertrag zurückgezogen, was die globalen Bemühungen um Klimaneutralität erheblich behindert. Der Druck, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wird immer größer und die Zeit drängt. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Dynamiken entwickeln werden – und ob die Weltgemeinschaft endlich aufwacht.