Am 27. Mai 2026, ein Datum, das in die annalen der Klimaforschung eingehen könnte, haben führende Klimawissenschaftler die überarbeitete Berechnungsbasis für künftige Klimamodelle veröffentlicht. Im Rahmen des Scenario Model Intercomparison Project for CMIP7 (ScenarioMIP-CMIP7) wird das Worst-Case-Szenario SSP5-8.5 nicht mehr berücksichtigt. Es gilt als unwahrscheinlich, was so manchen in der Klimawissenschaft verblüffen dürfte. Diana Rechid, die Leiterin der Abteilung Regionaler und Lokaler Klimawandel, betont, dass diese Zukunftsszenarien keine Vorhersagen sind, sondern lediglich mögliche Entwicklungen, die auf dem aktuellen Wissensstand basieren.

Die Daten aus ScenarioMIP-CMIP7 sind nicht nur für die wissenschaftliche Gemeinschaft von Bedeutung, sondern auch die Grundlage für den kommenden Siebten Sachstandsbericht (AR7) des IPCC. Das ist schon eine Hausnummer. Über 30 globale Modellierungszentren werden diese neue Berechnungsbasis nutzen, um Erdsystem- und Klimaprojektionen zu erstellen. Niklas Höhne vom New Climate Institute macht klar: Der Wegfall des Worst-Case-Szenarios bedeutet noch lange keine Entwarnung. Die Wissenschaft zeigt uns, dass die Wahrscheinlichkeit gravierenderer Auswirkungen für bestimmte Temperaturniveaus gestiegen ist, und Kipppunkte näher rücken.

Ein neuer Zyklus beginnt

Der IPCC steckt im siebten Bewertungszyklus, der im Juli 2023 mit der Wahl eines neuen Vorsitzenden und der neuen IPCC- und TFI-Büros begann. Ein frischer Wind bläst durch die Reihen! Die erste Plenarsitzung dieses neuen Zyklus fand im Januar 2024 in Istanbul statt, und das Programm für die wissenschaftliche Arbeit wurde beschlossen. Die Mitgliedstaaten einigten sich darauf, dass der IPCC drei Arbeitsgruppenkontributionen zum Siebten Bewertungsbericht produzieren wird. Das sind Arbeitsgruppe I mit dem Bericht über die physikalische Wissenschaftsbasis, Arbeitsgruppe II über Auswirkungen, Anpassung und Verwundbarkeit und Arbeitsgruppe III, die sich mit der Minderung des Klimawandels beschäftigt.

Der Synthesebericht wird nach Abschluss dieser Arbeitsgruppenberichte erstellt und bis Ende 2029 veröffentlicht. Ja, das dauert noch eine Weile, aber wir sollten die Zeit nutzen, um uns auf die Herausforderungen einzustellen. Im vorherigen Zyklus war bereits beschlossen worden, einen Sonderbericht über Klimawandel und Städte zu erstellen, der für Anfang 2027 geplant ist. Und die Liste geht weiter: Berichte über kurzlebige Klimafaktoren und Technologien zur Kohlenstoffdioxid-Entfernung werden ebenfalls für 2027 erwartet.

Ein verändertes Szenario

Die Anpassung der Klimamodelle wird von manchen als Fehlerkorrektur gedeutet, während andere, wie der ehemalige US-Präsident Donald Trump, die bisherige Forschung als fehlerhaft darstellen. In den Medien wird diese Kursänderung teils als Verharmlosung des Klimawandels interpretiert. Der Professor Elmar Kriegler vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung erinnert uns daran, dass Klimaszenarien keine Vorhersagen sind, sondern plausible Entwicklungen. Es ist eine ständige wissenschaftliche Auseinandersetzung – alle sieben bis zehn Jahre werden diese Szenarien überarbeitet. Und ja, das RCP8.5-Szenario, das vor über 15 Jahren entwickelt wurde, ist aus der aktuellen Sicht einfach unrealistisch. Ein neues mittleres Szenario sieht nun eine Erderwärmung von 2,8 Grad bis 2100 vor, und das neue Worst-Case-Szenario geht sogar von 3,5 Grad Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts aus.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Aber keine Panik! Klimaforscher warnen, dass diese Anpassungen nicht bedeuten, der Klimawandel sei weniger ernst. Douglas Maraun von der Karl-Franzens-Universität Graz betont, dass Klimaschutzmaßnahmen weiterhin unabdingbar sind. Ein wenig wie beim Aufräumen im eigenen Zuhause: Man kann nicht einfach die Schränke zumachen und hoffen, dass alles gut wird. Die Herausforderungen bleiben, und die wissenschaftliche Gemeinschaft arbeitet weiterhin hart daran, die Realität des Klimawandels zu verstehen und zu adressieren.