Die jüngsten Entwicklungen rund um Jörg Alt, den Jesuitenpater und leidenschaftlichen Klimaaktivisten aus Sankt Blasien, werfen ein grelles Licht auf den Kampf gegen die drohende Klimaerwärmung. Die Staatsanwaltschaft hat Berufung gegen eine mildere Verurteilung von Alt eingelegt, die sich aus einer unangemeldeten Straßenblockade im September 2023 auf dem Altstadtring in München ergab. Ob das jetzt die Welle des Klimaschutzes anstachelt oder eher für Frustration sorgt, bleibt abzuwarten.
Alt und seine Mitstreiter blockierten für etwa 15 Minuten eine vielbefahrene Straße, was einen veritablen Stau verursachte. Die Polizei war schnell zur Stelle und eskortierte die Aktivisten von der Straße. Amtsrichterin verhängte 10 Tagessätze à 10 Euro gegen Alt, was weit unter dem Strafantrag von 40 Tagessätzen liegt. Sie begründete ihre Entscheidung mit der Absicht Alts, auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam zu machen. Dabei erkannte sie zwar die gute Absicht der Protestaktion an, warf jedoch auch ein, dass Zwang nicht mit einem geordneten Zusammenleben zu vereinbaren sei. Schließlich wurde die Aktion als strafbare Nötigung gewertet. Ein schmaler Grat zwischen Aktivismus und Rechtsprechung, nicht wahr?
Ein Leben im Zeichen des Wandels
Der 64-jährige Alt ist schon lange im Kampf gegen die Klimakrise aktiv. Seine Wurzeln liegen nicht nur in der Straße, sondern auch in der klassischen politischen Willensbildung. Er hat Bücher geschrieben und Vorträge gehalten, die das Bewusstsein für Klima- und Umweltschutz schärfen sollten. Die Bewegungen wie „Fridays for Future“ und der Hungerstreik der „Letzten Generation“ haben seine Sichtweise auf die Dringlichkeit des Themas noch verstärkt. Er selbst beschreibt, wie sein erstes „Verbrechen“ das „Containern“ war – eine Aktion, die er mit seinen Ordensoberen abgesprochen hatte. Doch das war erst der Anfang seiner Straßenblockade-Karriere.
Alt kritisiert vehement Verkehrsminister Volker Wissing, der seiner Meinung nach das Klimaschutzgesetz gebrochen hat. Dies war für ihn der Auslöser, selbst gegen das Gesetz zu verstoßen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Zivilen Ungehorsam sieht er als eine Art höheren Rechts, der legitimiert, gegen das Gesetz zu handeln, wenn es um weltliche Belange geht. 2025 verbrachte Alt 25 Tage im Gefängnis, nachdem er eine Geldstrafe abgelehnt hatte – ein Statement, das in seiner Entschlossenheit kaum zu übertreffen ist.
Respekt im Gefängnis und eine neue Rolle
Was bleibt einem, wenn man in den Knast muss? Respekt, das hat Alt dort erlebt – sowohl von den Mitgefangenen als auch von den Wärtern. Dennoch, die Haftbedingungen waren alles andere als ein Zuckerschlecken. Gewaltfreiheit ist für ihn ein Grundpfeiler, ganz gleich, ob es um die Aktionen der „Letzten Generation“ geht oder um seine eigene Strategie. Trotz der Rückschläge zeigt er sich enttäuscht über die mangelnde Mobilisierung der Gesellschaft für den Klimaschutz. Aber er denkt auch an die Zukunft: Ab dem 24.12. wird er als Pfarrer tätig sein und sieht das Ende seines bisherigen Aktivismus. Das bedeutet aber nicht, dass er das Handtuch wirft – ganz im Gegenteil, er ermutigt alle, sich für den Klimaschutz zu engagieren.
Der zivilen Ungehorsam im Fokus
Die Debatte über den zivilen Ungehorsam ist emotional aufgeladen. Ähnlich wie in den 1980er Jahren, als die Friedensbewegung mit ihren Sitzblockaden vor Bundeswehreinrichtungen auf sich aufmerksam machte, stehen auch die heutigen Klimaaktivisten in der Kritik. Ziviler Ungehorsam, oft als Akt der Verweigerung bezeichnet, ist ein gesellschaftliches Phänomen, das nicht nur in Diktaturen, sondern auch in demokratischen Staaten zu finden ist. Hier stellt sich die Frage: Kann man Gesetze brechen, um auf Missstände hinzuweisen? Diese Frage ist nicht neu, sie schwebt wie ein Schatten über den Protesten. Henry David Thoreau, der als Begründer des zivilen Ungehorsams gilt, hat in seinem Essay von 1849 genau diese Idee beleuchtet.
In der Klimabewegung sind spontane Protestpraktiken häufig, doch eine tiefere philosophische Auseinandersetzung mit dem Thema scheint oft zu fehlen. Die „Letzte Generation“ ist dafür bekannt, bewusste Gesetzesbrüche zu begehen und sich öffentlich zu identifizieren. Doch die Kritik an diesen Protestformen ist nicht zu überhören: Erreichen sie tatsächlich die beabsichtigte gesellschaftliche Mehrheit? Die Polarisierung in der Debatte macht es nicht gerade einfacher, Brücken zu bauen.