Glaubenskrieg um den Boden: Kirchen und Bergbau im Spannungsfeld von Menschenrechten und Umweltschutz
Heute ist der 9.07.2026 und das Thema Umweltschutz bleibt in aller Munde. Besonders in Lateinamerika und der Karibik sind die Kirchen aktiv, wenn es darum geht, Gemeinden zu unterstützen, die unter den Folgen des Bergbaus leiden. Bischof Rafael Valdivieso von Chitré in Panama hat es klar auf den Punkt gebracht: Der Schutz des Lebens und die Verantwortung bei der Prüfung von Bergbauprojekten müssen im Vordergrund stehen. Es ist nicht nur eine Frage der Natur, sondern auch der Menschenwürde und der Rechte der Völker. So wird eine Balance gesucht, ohne Bergbauaktivitäten generell abzulehnen.
Im Juli 2025 wurden die „Pastoralen Leitlinien für die Auswirkungen des Bergbaus in Lateinamerika und der Karibik“ veröffentlicht. Diese wertvollen Dokumente, erarbeitet von rund 20 Bischöfen, bieten eine wichtige Orientierung für den Umgang mit sozialökologischen Konflikten. Sie betonen den Schutz von Leben und Menschenrechten. Pedro Sánchez vom Netzwerk „Kirchen und Bergbau“ hat die negativen Auswirkungen des Bergbaus auf ländliche und indigene Gemeinschaften angesprochen, und die Besorgnis in Panama über geplante Bergbauprojekte ist mehr als verständlich.
Die Gefahren für Umweltschützer
Der Tod von Umweltschützer Juan Antonio López in Honduras zeigt, wie gefährlich es ist, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Die Honduranische Bischofskonferenz hat Gewalt gegen Aktivisten scharf verurteilt und ruft zu Gerechtigkeit und Frieden auf. In Ecuador zeigt der Widerstand der Gemeinden gegen Bergbauprojekte, die Wasserquellen und Ökosysteme gefährden, wie wichtig dieser Einsatz ist. Bischof Geovanni Paz steht den Gemeinden in Imbabura zur Seite und kämpft für den Schutz ihrer Umwelt.
In der Dominikanischen Republik ist die Kirche ebenfalls aktiv. Sie setzt sich für den Wasserschutz ein und unterstützt Gemeinden gegen Bergbauprojekte. Priester begleiteten einen Marsch zum Schutz der nördlichen Kordilleren, die als wichtiges Wasserreservoir gelten. Die lateinamerikanischen Kirchen machen deutlich, dass die Bewahrung der Schöpfung Teil der Evangeliumsverkündigung ist, und Kardinal Michael Czerny fordert konkrete Maßnahmen zur Umsetzung kirchlicher Richtlinien. Papst Leo XIV. hat in diesem Zusammenhang die Verbindung zwischen Umweltfragen, sozialer Gerechtigkeit und dem Schutz der Schwächsten hervorgehoben.
Globale Herausforderungen und Verantwortung
Es ist auch wichtig, die globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten für mineralische Rohstoffe zu betrachten, die eine enge Verbindung zwischen Menschenrechts- und Umweltrisiken aufweisen. Kinderarbeit und Umweltbeeinträchtigungen wie Treibhausgasemissionen und Biodiversitätsverlust sind traurige Begleiterscheinungen dieser Ketten. Oft verletzen Umweltbeeinträchtigungen, ob direkt oder indirekt, die Rechte der lokalen Bevölkerung. Staaten haben zwar die Verantwortung, ihre Bürger zu schützen, doch in einer globalisierten Welt ist das oft nicht genug.
Regulatorische Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um Menschen vor Verletzungen durch Unternehmen zu schützen. Zudem sollte der Zugang zu Rechtsschutz für Betroffene gewährleistet sein – was jedoch oft an verschiedenen Hindernissen scheitert. Ein Beispiel ist das Verfahren gegen TÜV Süd wegen des Dammbruchs in Brasilien, der 270 Menschen das Leben kostete. Solche Vorfälle machen deutlich, wie dringend eine rechtlich bindende Lieferkettengesetzgebung notwendig ist, um Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.
Initiativen für Umweltschutz und Menschenrechte
Es gibt jedoch auch Lichtblicke. Projekte zur Identifikation und Analyse politischer Initiativen im Bergbau und Handel mit metallischen Rohstoffen sind auf dem Vormarsch. Ziel dieser Initiativen ist es, ökologische Nachhaltigkeit und Menschenrechtskonformität zu fördern. Die Europäische Batterieverordnung und das deutsche Lieferkettengesetz sind dabei wichtige Schritte in die richtige Richtung. Diese Initiativen müssen weiter untersucht werden, um bestehende Probleme oder Widersprüche aufzudecken und Alternativen zu entwickeln.
Schließlich ist es wesentlich, dass alle Akteure – Unternehmen, Regierungen und Rechteinhaber – in die Umsetzung dieser Gesetzgebungen eingebunden werden. Die Diskussion über ein Menschenrecht auf eine gesunde Umwelt gewinnt zunehmend an Bedeutung. Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat 2021 eine Resolution verabschiedet, die das Recht auf eine sichere, saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt anerkennt. Auch wenn solche Resolutionen nicht rechtlich bindend sind, haben sie doch politisches Gewicht und könnten zu einem verstärkten Einsatz für den Umweltschutz führen.
