Hitze im Wandel: Deutschlands Kampf gegen die Klimaerwärmung
Heute ist der 9.07.2026 und der Sommer zeigt sich von seiner heißesten Seite. Umweltschutz ist derzeit in aller Munde, und das nicht ohne Grund. Mit dem bundesweiten „Hitzeaktionstag“ am 11. Juni, ins Leben gerufen von Umweltminister Carsten Schneider (SPD), wurde ein wichtiges Thema aufgegriffen: die steigende Gefahr durch heißere und trockenere Sommer. Laut Schneider ist die Situation seit 2018 alarmierend und fordert ein Umdenken in der Klimapolitik. „Wir müssen uns auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten“, betont er. Dafür hat die WHO einen neuen Leitfaden für Hitzeaktionspläne vorgestellt, der bundesweit Anwendung finden soll.
Allerdings wird die Umsetzung dieser Maßnahmen kritisch betrachtet. Immer wieder wird Schneider vorgeworfen, bei Fragen zum Hitzeschutz während der Hitzewellen ausweichend zu antworten. Das Klimaanpassungsgesetz, das klare Verantwortlichkeiten festlegt, wird als nicht ausreichend erachtet. Wissenschaftler und Verbände fordern schon lange eine neue Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe zur Klimaanpassung, um effektiver gegen die Hitzewellen vorzugehen. Bislang gibt es im Koalitionsvertrag lediglich einen Hinweis auf einen Sonderrahmenplan für Naturschutz und Klimaanpassung, der jedoch keine verbindlichen Maßnahmen zur Einführung einer Gemeinschaftsaufgabe umfasst.
Hitzewellen – Ein wachsendes Problem
Der Deutsche Wetterdienst berichtet, dass Hitzewellen in Deutschland seit den 1970er Jahren zunehmen. Die Europäische Umweltagentur prognostiziert, dass diese Tendenz in Zukunft noch verstärkt wird – sowohl in Häufigkeit als auch in Intensität. Besonders urbanen Ballungsräumen droht ein heißer Sommer, wie wir ihn bereits in den Jahren 2003, 2018, 2019 und 2022 erlebt haben. Die Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch Hitze bleibt auch bei schwachem Klimawandel bestehen. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig die Entwicklung und Umsetzung von Hitzeaktionsplänen ist.
Die Hitzeaktionspläne (HAP) wurden bereits im zweiten Aktionsplan Anpassung 2015 erwähnt und basieren auf Empfehlungen der WHO nach dem Hitzesommer 2003. Doch wie sieht die Realität aus? Ein Forschungsprojekt namens „HAP-DE“, das von 2019 bis 2023 läuft, untersucht den Umsetzungsstand dieser Pläne in Deutschland. Eine Onlineumfrage unter 116 kommunalen Verwaltungen zeigt, dass 58% der Befragten mit den Handlungsempfehlungen zu Hitzeaktionsplänen vertraut sind. Über 90% in den Bundesländern kennen sie sogar. Dennoch haben zum Zeitpunkt der Umfrage im Frühjahr 2020 nur vier Kommunen und ein Landkreis Hitzeaktionspläne umgesetzt.
Die Herausforderung der Umsetzung
Ein weiteres Problem ist die unterschiedliche Auslegung des Begriffs „Hitzeaktionsplan“ durch die Kommunen. Die Maßnahmen variieren stark, und oft fehlt es an klaren Zuständigkeiten. Erfolgsfaktoren für effektive Hitzeaktionspläne sind unter anderem die Risikowahrnehmung, die Verteilung von Zuständigkeiten und die Akquise von Ressourcen. Die Hochschule Fulda hat eine Arbeitshilfe zur Entwicklung kommunaler Hitzeaktionspläne veröffentlicht, die als Leitfaden dienen kann.
Die Forderung nach einer gesetzlichen Verankerung des Gesundheitsschutzes vor und während Hitzewellen als kommunale Pflichtaufgabe wird immer lauter. Auch ein intensiverer Austausch zwischen Bund, Ländern und Kommunen über Dialogveranstaltungen und Projekte ist notwendig, um die Maßnahmen zu verbessern und den Hitzeschutz zu stärken.
Ein Blick über die Grenzen
<pWährend Deutschland noch mit der Implementierung einheitlicher Hitzeschutzpläne kämpft, hat Frankreich bereits Maßnahmen ergriffen und die höchste Stufe der Mobilisierung im Gesundheitswesen aktiviert. In Deutschland hingegen wird oft auf die kommunale Zuständigkeit verwiesen – das kann frustrierend sein. Martin Herrmann von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit sagt: „Wir sind besser vorbereitet als früher“, aber das reicht nicht aus. Viele Schulen sind nicht ausreichend für hohe Temperaturen ausgestattet, und es fehlt an Geld für Um- und Neubauten. Freiwillige Maßnahmen wie Hitzeaktionspläne und öffentliche Trinkbrunnen sind zwar vorhanden, aber nicht verpflichtend. Oft haben die Kommunen nicht einmal die Ressourcen, um ihre regulären Aufgaben zu erfüllen.
Zusätzlich existieren Förderprogramme, die jedoch nicht alle Kommunen erreichen, häufig aufgrund von personellen Engpässen bei den Anträgen. Im Juli 2023 präsentierte der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach den „Hitzeschutzplan für Gesundheit“, aber die Bundesregierung scheint dem Hitzeschutz bislang nicht die nötige Priorität einzuräumen. Das Programm zur finanziellen Unterstützung des Umbaus sozialer Einrichtungen wurde für 2026 gestrichen – ein Schritt, der viele alarmieren dürfte.
Über 150 Organisationen fordern Hitzeschutz als Teil von Krisenvorsorge und Katastrophenschutz. Sie verlangen klare Zuständigkeiten und einen besseren Schutz für gefährdete Gruppen. Um Klimaanpassung als staatliche Gemeinschaftsaufgabe einzustufen und damit auch den Bund zur Finanzierung heranzuziehen, wäre eine Grundgesetzänderung notwendig. Aber während die Diskussionen darüber laufen, bleibt die Frage: Wie lange können wir noch warten?
