In der heutigen Zeit, in der der Klimawandel immer drängender wird, rückt die Landwirtschaft stärker in den Fokus der Umweltdebatte. Besonders die Rinderhaltung hat sich als eine der Hauptquellen für Methanemissionen herauskristallisiert. Benedikt Sabaß, ein Biophysiker an der LMU München, hat sich auf die Fahnen geschrieben, diesen emissionsstarken Bereich mit einer innovativen Lösung zu bekämpfen. Er arbeitet an einem neuen Rinder-Futtermittel, das die Methanproduktion während der Verdauung der Kühe reduzieren soll. Denn eines ist klar: Methan ist in Bezug auf die Erderwärmung besonders schädlich und trägt erheblich zum Temperaturanstieg bei.
Wie Sabaß erläutert, ist Methan über einen Zeitraum von 100 Jahren 28- bis 30-mal klimaschädlicher als CO₂, und über 20 Jahre sogar 80-mal. Es ist verantwortlich für etwa 0,5 Grad des Temperaturanstiegs von 1,6 Grad Celsius bis 2019. In Deutschland ist die Landwirtschaft für 70 bis 80 Prozent der Methanemissionen verantwortlich, wobei ein Drittel der globalen Methanemissionen aus der Landwirtschaft stammen. Diese alarmierenden Zahlen verdeutlichen, wie wichtig es ist, rasch zu handeln, um die Klimaziele zu erreichen.
Der Weg zur Methanreduktion
Die Herausforderung, die Sabaß und sein Team angehen, ist nicht zu unterschätzen. Eine Hochleistungskuh kann bis zu 500 Liter Methan pro Tag produzieren. Daher ist es das Ziel, den Methanausstoß um 70 Prozent zu reduzieren. Aktuell gibt es bereits Hersteller, die eine Reduktion von 20 bis 30 Prozent anbieten. Sabaß betont dabei die Bedeutung der Rinderhaltung nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Kulturlandschaft und die Artenvielfalt in Bayern.
Ein weiteres zentrales Anliegen ist die Optimierung der Tierhaltung und die Reduktion der Rinderbestände, um Methanemissionen zu verringern. In Deutschland sind die Rinderbestände in den letzten 20 Jahren um knapp ein Fünftel gesunken, was einen positiven Trend darstellt. Dennoch ist die Reduktion der Emissionen eine ständige Herausforderung, denn während die Methanemissionen in Deutschland zurückgehen, steigen sie weltweit weiter an. 2021 erreichten die globalen Methanemissionen 4,14 Gigatonnen CO₂-Äquivalente.
Methan in der Landwirtschaft
Die Landwirtschaft bleibt ein entscheidender Faktor im Kampf gegen den Klimawandel. Methanemissionen entstehen nicht nur durch die Verdauung der Wiederkäuer, sondern auch bei der Lagerung von Gülle und Mist. Die Optimierung dieser Prozesse ist essenziell, um die Emissionen nachhaltig zu senken. In Deutschland sind über 75 Prozent der Methan-Emissionen auf die Landwirtschaft zurückzuführen, vor allem durch Wiederkäuer und Gülle. Das zeigt, wie wichtig es ist, effektive Strategien zur Minderung der Emissionen zu entwickeln.
Die Ansätze zur Reduktion sind vielfältig. Dazu zählen nicht nur neue Futtermittel, sondern auch eine verbesserte Lagerung von Mist und die gezielte Fütterung der Tiere. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die festgelegten Ziele zur Reduktion der Methanemissionen bis spätestens 2030 zu erreichen. Laut den Klimazielen muss eine Reduktion von 34 bis 57 Prozent im Vergleich zu 2019 erzielt werden, um die Temperaturspitze zu verhindern.
Die Zeit drängt, und es ist entscheidend, dass sowohl Wissenschaftler als auch Landwirte zusammenarbeiten, um innovative Lösungen zu entwickeln. Der Global Methan Pledge, bei dem sich 150 Staaten, darunter die USA, Japan und EU-Staaten, verpflichtet haben, Methanemissionen bis 2030 um 30 Prozent zu senken, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ziel ist es, die globale Erwärmung um 0,2 Grad Celsius bis 2050 zu verringern – eine Herausforderung, die nur gemeinsam bewältigt werden kann.