Im Nationalpark Kellerwald-Edersee ist eine spannende Entwicklung im Gange: Neue Wildkameras wurden installiert, um einen Einblick in das Leben des seltenen Schwarzstorchs zu gewähren. Diese Initiative ist das Ergebnis einer Kooperation mit der Staatlichen Vogelschutzwarte des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie. An strategisch platzierten Horstbäumen, die große Vögel als Nistplätze nutzen, liefern die Kameras faszinierende Aufnahmen. Bereits in der ersten Saison dokumentierten sie die Rückkehr der Störche aus Afrika, das Horstbeziehen, die Kopulation sowie die Eiablage.
Die Informationen wurden passend zum „Tag des Baumes“ veröffentlicht, was die Bedeutung der Bäume in den Lebenszyklen der Tiere unterstreicht. Diese Kameras sind nicht nur ein technisches Wunderwerk, sondern auch ein wertvolles Werkzeug für die Wissenschaft, um das Verhalten und das Brutgeschehen der Schwarzstörche zu erfassen, ohne die Tiere dabei zu stören. Historisch betrachtet galt der Schwarzstorch im Landkreis lange Zeit als ausgestorben – das letzte Exemplar wurde 1909 geschossen. Erst 1982 konnte nach der Wiederansiedlung der erste Brutnachweis erbracht werden.
Erfolge und Herausforderungen der Wiederansiedlung
Die Brutsaison 2022 war besonders erfreulich: Von 16 geschlüpften Jungvögeln konnten 13 erfolgreich ausfliegen. Insgesamt wurden 15 Standorte beobachtet, darunter Horste, die nach Angriffen von Seeadlern aufgegeben wurden. In der Südheide und im Elbe-Weser-Dreieck wählten einige Störche Kunsthorste, während andere neue Horste in ihren Brutrevieren errichteten. Dennoch war nicht alles rosig; die Brut eines Paares in Northeim musste aufgrund innerartlicher Revierkämpfe aufgegeben werden, und der Verlust des letzten Jungvogels in einem der Reviere war ein trauriger Höhepunkt der Saison.
Die Schwarzstörche sind nach europäischem Recht geschützt und benötigen besondere Schutzmaßnahmen. Dies wird besonders deutlich, wenn man die Geschichte des Schwarzstorchs in Deutschland betrachtet. Um 1850 wurde er in Rheinland-Pfalz ausgerottet, und die Wiederansiedlungsversuche begannen erst in den 1970er Jahren. Der erste Brutnachweis in Rheinland-Pfalz datiert auf 1982 im Ahrgebirge. Bis in die 1990er Jahre beschränkte sich die Wiederbesiedlung auf die nördlichen Teile des Bundeslandes.
Schutzmaßnahmen und Lebensräume
Schwarzstörche benötigen unzerschnittene Mischwälder mit Altholzbeständen sowie störungsarme Bäche und Feuchtgebiete. Um ihre Lebensräume zu sichern, sind spezielle Schutzmaßnahmen unerlässlich. Dazu gehören der Erhalt von Altholzbeständen und Nestbäumen, der Verzicht auf Holzeinschlag im Nestbereich während der Brutzeit und die Renaturierung von Gewässern. Auch die Zusammenarbeit mit Energieversorgern zur Entschärfung von Gefahrenpunkten, wie etwa ungesicherten Masten von Mittelspannungsleitungen, ist von Bedeutung. Trotz dieser Bemühungen stehen die Störche vor Herausforderungen wie Lebensraumzerstörung, Dürreperioden und Prädation durch invasive Arten.
Die positive Entwicklung des Bestands erfordert ständige Schutzanstrengungen und ehrenamtliches Engagement. In den Roten Listen von 2021 wird der Schwarzstorch als ungefährdet geführt, was Hoffnung für die Zukunft gibt. Es bleibt zu hoffen, dass die Fortschritte in der Forschung und die fortgesetzte Überwachung durch Kameras im Nationalpark Kellerwald-Edersee dazu beitragen, diese majestätischen Vögel auch für kommende Generationen zu bewahren.
Für weitere Informationen zu den Schwarzstörchen und den laufenden Schutzmaßnahmen verweisen wir auf die Quellen: Süddeutsche, Landesforsten und LfU Rheinland-Pfalz.