Heute ist der 21.07.2026 und der Klimawandel ist nach wie vor in aller Munde. Inmitten dieser Diskussionen erscheint ein Debütroman, der nicht nur die gegenwärtigen Krisen thematisiert, sondern auch auf eine literarische Entdeckungsreise einlädt – Şeyda Kurts „Zeit der Monster“. Der Titel mag zunächst irreführend wirken, denn es handelt sich hier nicht um eine Horrorgeschichte, sondern um eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Herausforderungen unserer Zeit: Klimawandel, das Vergessen und ein durchdringendes Gefühl des Untergangs. Die Handlung spielt in einem Viertel, das an Köln-Kalk erinnert, und verbindet geschickt historische sowie geografische Bezüge, die bis nach Mesopotamien und Kurdistan reichen. Es ist ein starkes Werk, das uns aufzeigt, wie die Vergangenheit die Gegenwart beeinflusst und dass Orte nicht ohne ihre Geschichte erzählt werden können.

Şeyda Kurt, die zuvor bereits zwei Sachbücher veröffentlichte, zeigt sich in diesem Roman als Meisterin der sinnlichen und üppigen Sprache. Sie geht bewusst gegen das Dogma der knappen Literatur, das oft besagt: „Kein Wort zu viel“. Für Kurt ist Literatur ein Zuhause, ein Ort, an dem sie überall zu Hause sein möchte. „Zeit der Monster“ erzählt universell von Verlust, Suche und Widerstand. Es ist ein Buch, das die Leser:innen in seinen Bann zieht und sie zum Nachdenken anregt. Es erscheint im Verlag Hanser mit 288 Seiten zum Preis von 23 Euro und ist ab heute erhältlich.

Die Bedeutung der Kleinen Fächer

Parallel zu literarischen Entwicklungen wird auch in der Wissenschaft der Wert der Kleinen Fächer hervorgehoben – ein Thema, das in der aktuellen Bildungslandschaft immer relevanter wird. Im Frühjahr 2020 rief die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) dazu auf, neue Kommunikations- und Vernetzungsstrategien zu entwickeln. Unterstützt von der HRK und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, zielt die Initiative „Kleine Fächer: Sichtbar innovativ!“ darauf ab, die Vielfalt der deutschen Hochschullandschaft zu würdigen. Diese Fächer tragen maßgeblich zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen bei.

Ein spannendes Projekt, das aus dieser Initiative hervorging, wurde von Theresa Roth und Kristina Becker beantragt. Es beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Krisen in historischen und aktuellen Kontexten, wobei auch die Corona-Pandemie und der Beitrag der Kleinen Fächer zum Diskurs darüber thematisiert werden. Während der Pandemie erlangten wissenschaftliche Themen eine neue mediale Aufmerksamkeit. Ein interdisziplinärer Workshop brachte Forschende aus großen und kleinen Fächern zusammen, um sich mit Themen wie Resilienz und Krisenmanagement zu befassen. Dabei wurde eine Mindmap erstellt, die vielversprechende Schnittstellen zwischen verschiedenen Fächern und Themen sammelte.

Krisen und ihre Wahrnehmung

Die Wahrnehmung der Welt ist heutzutage stark geprägt von Krisendiagnosen. Der Leibniz-Forschungsverbund „Krisen einer globalisierten Welt“ arbeitet seit 2013 an interdisziplinären Ansätzen, um die Mechanismen und Dynamiken von Krisen besser zu verstehen. Ein zentrales Produkt dieses Forschungsverbundes ist das Handbuch zur Krisenforschung, das 2020 veröffentlicht wurde. Es behandelt Krisen als politische Handlungssituationen und deren Verknüpfung zur politischen Praxis. Diese Forschung ist nicht nur auf einzelne Krisenereignisse beschränkt, sondern bietet auch übergreifende konzeptionelle Überlegungen zu Krisenmanagement und Krisendiskursen.

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Das Handbuch gliedert sich in vier Teile und beleuchtet verschiedene Aspekte von Krisen, darunter Krisenkonzepte, die Verläufe sowie die Zeitlichkeit und Räumlichkeit von Krisen. Besonders interessant ist, wie verschiedene Disziplinen zusammenarbeiten, um die Interdependenz von Krisen in einer globalisierten Welt zu diskutieren. So wird durch eine reflexive Krisenforschung deutlich, dass reale Bedrohungen und gesellschaftliche Wahrnehmungen eng miteinander verknüpft sind.

Die Verknüpfung von Şeyda Kurts literarischem Werk mit den aktuellen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungen zeigt, dass sowohl Literatur als auch Wissenschaft nicht nur reflektieren, sondern auch aktiv zur Diskussion und zur Lösung von Krisen beitragen können. „Zeit der Monster“ und die Initiative für die Kleinen Fächer sind dabei nur zwei Facetten eines vielschichtigen Diskurses, der uns alle betrifft.