Der Kolben in Oberammergau: Abschied vom Kunstschnee und der Aufbruch in eine neue Wintersport-Ära
Der Kolben in Oberammergau, ein beliebtes Ziel für Ski- und Schlittenfahrer, wird bald seine Pforten für die technische Beschneiung schließen. Nach 15 Jahren Einsatz heißt es ab dem Winter 2026: kein Kunstschnee mehr. Das ist nicht nur ein kleiner Schritt, sondern ein großer Schritt in eine neue Realität, die den organisierten Wintersport in der Region fundamental verändern wird. Die Einheimischen wurden per Schreiben über diese Entscheidung informiert, und Geschäftsführer Klement Fend betont, dass diese Entwicklung nicht wirklich überraschend kam. Schließlich sind die wirtschaftlichen Folgen milder Winter in den letzten Jahren nicht zu übersehen. Während die AktivArena zwischen 2013 und 2020 noch einen Gewinn von rund 45.000 Euro pro Saison generierte, summierte sich das Defizit seit 2021 auf über eine Million Euro – und das in nur drei Wintern! Da kann man sich fragen: Wo führt das alles hin?
Ein Blick auf die Ursachen ist aufschlussreich. Der Klimawandel zeigt seine Auswirkungen in vollem Umfang: weniger Naturschnee, kürzere Beschneiungszeiträume und steigende Energiekosten. Die Wintersaison hat sich bereits gewandelt, und besonders der schlechte Winter 2023/2024 hat seine Spuren hinterlassen. Künftig wird der Kolben als freier, nicht präparierter Skiraum zur Verfügung stehen. Sportler sind dann selbst verantwortlich – ein bisschen Abenteuer, aber auch eine große Verantwortung. Die Sesselbahn und die Kolbensattelhütte bleiben offen, ebenso der Alpine Coaster, der als „Allwetterbahn“ konzipiert wurde und seit 2024 in Betrieb ist. Es gibt also noch Möglichkeiten, die Berge zu genießen, auch wenn der Schnee nicht mehr kommt.
Klimawandel und seine Folgen für den Wintersport
Die Situation am Kolben ist nicht isoliert. Ein aktuelles Positionspapier des Expertenforums ‚Klima.Sport.Schnee‘, veröffentlicht am 04.06.2025, fasst die Herausforderungen des Wintersports im Kontext des globalen Klimawandels zusammen. Dieses Forum besteht aus 14 Klima- und Sportforschungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hier wird klar, dass die mittlere Erwärmung seit der vorindustriellen Zeit bis Ende 2024 in Deutschland bei 2,5 °C, in Österreich bei 3,1 °C und in der Schweiz bei 2,9 °C liegt. Und die Prognosen sind alarmierend: Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte die durchschnittliche Temperatur im D-A-CH-Raum um mindestens weitere 2 °C steigen.
Besonders bitter für die Wintersportler in niedrigen und mittleren Lagen ist der Rückgang der natürlichen Schneedecke bis etwa 1.500 Meter. Weniger Schnee bedeutet auch weniger Möglichkeiten für die technische Schneeerzeugung – die Bedingungen verändern sich. Es gibt nicht nur weniger Beschneiungszeiten, sondern auch einen höheren Wasser- und Energiebedarf. Während die Wintersportler sich auf die Suche nach Alternativen machen müssen, zeigen Klimaszenarien, dass die Niederschläge in den Sommermonaten tendenziell abnehmen, während die Trockenheit zunimmt. Ein Dilemma, das viele Outdoor-Aktivitäten im Frühling und Herbst verlängert, aber gleichzeitig die Sommerhitze unerträglich macht.
Die Verantwortung für die Zukunft
Inmitten dieser Herausforderungen wird die Verantwortung für zukünftige Generationen von Sportlern und Touristen deutlich. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind nicht nur Schlagworte, sondern dringend notwendige Handlungsansätze. Das Expertenforum hat Wissensdefizite identifiziert und ruft alle Akteure der Branche auf, Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasemissionen zu ergreifen. Denn der Klimawandel betrifft uns alle, und die Notwendigkeit, aktiv zu werden, ist deutlicher denn je. Die Frage bleibt: Wie wird sich der Bergsport im Sommerhalbjahr entwickeln? Konkrete Pläne sind zwar noch nicht bekannt, aber die Diskussion ist in vollem Gange.
Es ist ein Aufbruch in eine neue Ära, in der die Natur und der Mensch in einem anderen Licht betrachtet werden müssen. Der Kolben in Oberammergau ist nur ein Beispiel für viele ähnliche Situationen in den Alpen und darüber hinaus. Es liegt an uns, diese Herausforderungen anzunehmen und die Weichen für eine nachhaltige Zukunft zu stellen.
