Heute ist der 11.05.2026 und während sich für viele der Frühling so langsam entfaltet, blicken Gärtner in Deutschland auf eine ganz besondere Zeit: Die Eisheiligen. Vom 11. bis 15. Mai werden diese Tage traditionell als die letzten frostigen Nächte des Jahres angesehen. Doch was steckt wirklich hinter diesem Wetterphänomen, und warum hält man trotz des Klimawandels an dieser alten Regel fest?
Die Eisheiligen sind mit den Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia verbunden. Ihre Gedenktage fallen in den besagten Zeitraum. Historisch gesehen war es im Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert nicht ungewöhnlich, kalte und langanhaltende Winter zu erleben. Bauern beobachteten diese Wetterlagen und leiteten aus den Erfahrungen handfeste Ratschläge für den Ackerbau ab. Plötzliche Kälteeinbrüche konnten jungen Pflanzen ernsthafte Schäden zufügen, und so entstand die Empfehlung, empfindliche Setzlinge erst nach den Eisheiligen ins Freie zu setzen.
Tradition trifft auf Wissenschaft
In der heutigen Zeit sehen die Meinungen jedoch unterschiedlich aus. Simone Kerkel, die Vorsitzende des Kreisverbands für Obst-, Gartenbau- und Landespflege Miesbach, ist sich sicher: „Pflanzen erst ab Mitte Mai einsetzen, das ist nach wie vor die beste Strategie.“ Für viele Gärtner ist dieser traditionelle Rat ein unverzichtbarer Teil ihrer Praxis. Doch es gibt auch Stimmen aus der Wissenschaft, die diese Überzeugung in Frage stellen. Andreas Brömser, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD), betont, dass Spätfröste seltener und weniger ausgeprägt sind als früher. Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit für Kaltlufteinbrüche im süddeutschen Raum Mitte Mai unter 50 Prozent. In den letzten Jahren haben sich die Wetterlagen verändert, und die letzten „pünktlichen“ Eisheiligen waren 2020. Im Jahr 2024 und 2025 traten die Kälteeinbrüche sogar früher auf, was die Frage aufwirft, ob die Tradition noch sinnvoll ist.
Doch der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege (BLGL) bleibt optimistisch. Gartenbauexperte Lutz Popp warnt vor Nachtfrösten, die besonders Jungpflanzen schädigen können. Aktuelle Wettervorhersagen zeigen, dass in Süddeutschland ein kühler und wechselhafter Mai bevorsteht – mit Nachtfrösten bis zu minus zwei Grad. Kerkels Empfehlung, Balkonpflanzen nachts reinzuholen oder mit Vlies abzudecken, könnte also durchaus ratsam sein.
Ein Blick in die Zukunft
Der Klimawandel hat in den letzten Jahren die Durchschnittstemperaturen erhöht, was dazu führt, dass starke Fröste im Mai seltener werden. Dennoch bleibt die Unsicherheit bestehen. In vielen Regionen Europas gibt es ähnliche Traditionen zu den Eisheiligen, die je nach geographischen Gegebenheiten variieren. In Norddeutschland beispielsweise sind die Eisheiligen häufig vom 11. bis 13. Mai angesiedelt, während im Süden eher die Tage vom 12. bis 15. Mai relevant sind. Die Landschaft spielt dabei eine entscheidende Rolle: In Tälern kann sich kalte Luft sammeln, während Städte durch ihren Schutz besser gewappnet sind.
Die Frage bleibt: Wie lange wird diese Tradition noch Bestand haben? Die Agrarwissenschaftler sind sich einig, dass die Wetterlagen nicht jedes Jahr gleich sind. Spätfröste können zufällig im Mai auftreten, nicht nur an den Eisheiligen, sondern auch zu anderen Zeiten. Der traditionelle Rat, empfindliche Pflanzen erst Mitte oder Ende Mai ins Freie zu setzen oder sie zu schützen, bleibt also nach wie vor relevant.