Heute ist der 4.06.2026 und während wir uns auf den Sommer einstellen, gibt es in den USA eine Entwicklung, die einen schier fassungslos macht. Die US-Regierung hat beschlossen, das Meeresbeobachtungssystem OOI abzubauen. Und das, obwohl es als eines der fortschrittlichsten Klimawandel-Messsysteme gilt! Seit zehn Jahren sind 900 Messgeräte an fünf Standorten im Atlantik und Pazifik im Einsatz, und nun beginnt der Abbau des ersten Standorts vor der US-Westküste. Bis zum Sommer 2027 sollen weitere drei Stationen folgen. Das wirft Fragen auf, nicht nur über die Klimaforschung, sondern auch über unser Verständnis von Wissenschaft.
Besonders alarmierend ist dieser Schritt angesichts der steigenden Wassertemperaturen und des bevorstehenden „Super-El-Niño“, der Extremwetterereignisse auslösen könnte. Die Daten, die das OOI liefert, sind für Forscher weltweit von unschätzbarem Wert – darunter auch die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA. Senator Edward J. Markey sieht in dieser Entscheidung einen „Krieg gegen die Wissenschaft“, und das ist nicht ohne Grund. Über 500 wissenschaftliche Veröffentlichungen basieren auf den Daten des OOI, und selbst der Weltklimarat IPCC nutzt diese Informationen.
Wertvolle Daten in Gefahr
Das OOI wurde ursprünglich für 25 Jahre konzipiert und hat rund 370 Millionen Dollar gekostet. Der Betrieb kostet die USA jährlich etwa 50 Millionen Dollar – eine Investition, die sich lohnt, wenn man bedenkt, dass die Messstationen Echtzeitdaten über Wasser, Strömungen und CO2-Speicherung in den Ozeanen liefern. Der Abbau könnte jedoch nicht nur zu einem Verlust an Daten führen, sondern auch zu einem Verlust von Expertise und Fachwissen. Schließlich ist die Messung an diesen Standorten technisch herausfordernd, und das Wissen darüber ist nicht einfach in der Schublade zu finden.
Und das ist nicht die einzige besorgniserregende Nachricht aus den USA. Umstrukturierungen in den US-Behörden gefährden zentrale Plattformen für Umwelt- und Klimadaten. Erste Plattformen sollen bald abgeschaltet werden, darunter auch Daten zu globalem Klimawandel und Meeresspiegelveränderungen. Laut Roland Koch, Pressesprecher des AWI, sind einige Daten bereits nicht mehr zugänglich oder sollen im Mai entfernt werden. Das könnte die Präzision von Frühwarnsystemen und Klimamodellen erheblich beeinträchtigen. Wolfgang zu Castell vom GFZ spricht von „Löchern auf der Karte“ in den globalen Messnetzen – das klingt nicht gerade optimistisch.
Internationale Zusammenarbeit unter Druck
Die deutsche Forschung ist hiervon ebenfalls betroffen. Einige Einrichtungen arbeiten bereits an Sicherungskopien der gefährdeten US-Datenbestände – mehrere Hundert Terabyte, um genau zu sein. Das AWI koordiniert technische Lösungen und hat Gespräche mit der NOAA geführt. Erste Datenübernahmen in das Forschungsdatenarchiv PANGAEA laufen bereits. Dennoch gibt es Bedenken, dass der Austausch zwischen den USA und Europa immer weiter eingeschränkt wird, was die internationale Forschung nicht gerade erleichtert.
Das Bundesforschungsministerium prüft aktuell die Abhängigkeiten der deutschen Wissenschaft von US-Daten und -Datenbanken. Es gibt eine wachsende Diskussion über die Notwendigkeit, europäische Souveränität in der Forschung zu etablieren, besonders in Anbetracht der geopolitischen Entwicklungen, die uns alle betreffen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln, aber eines ist klar: Die Klimaforschung steht vor großen Herausforderungen, und der Verlust solcher Daten könnte langfristige Auswirkungen auf unser Verständnis des Klimawandels haben.