Wenn ich an die Elbe denke, dann kommt mir sofort das Bild von glitzerndem Wasser und fröhlichen Menschen am Ufer in den Sinn. Doch wie so oft trügt der Schein. Die Realität dieser wunderschönen Flüsse, die sich durch Deutschland schlängeln, ist alles andere als rosig. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Mühlenberger Loch in Hamburg. Hier zeigt sich die ganze Tragik: Die niedrige Sauerstoffkonzentration und das trübe Wasser sind alarmierende Zeichen für die Auswirkungen des Klimawandels. Große Containerschiffe wirbeln Sand und Schlick auf und reduzieren damit das Licht, das für die Photosynthese der Algen notwendig ist. Gleichzeitig führt das abgestorbene organische Material zu einem regelrechten Festessen für Bakterien, die, wie wir wissen, Sauerstoff fressen. Und das ist nicht nur ein kleines Problem – der Verlust von 1-2 Milligramm Sauerstoff pro Liter Flusswasser kann fatale Folgen für die Fischpopulation haben.

Eine Studie von Ovidio Garcia-Oliva und seinem Team hat den Zustand der Unterelbe dokumentiert und zeigt klar auf, wie eng diese Probleme mit der Schifffahrt und der Vertiefung des Flussbetts verwoben sind. Das Ganze ist nicht nur ein regionales Phänomen. Laut einer Untersuchung von Kun Shi und Kollegen sinkt der Sauerstoffgehalt in 80% aller Flüsse weltweit aufgrund der Klimaerwärmung. Über 21.000 Flüsse wurden über fast 40 Jahre hinweg analysiert, und der Durchschnitt zeigt einen Rückgang von 0,045 Milligramm Sauerstoff pro Liter alle zehn Jahre. Besonders dramatisch ist die Situation in tropischen Regionen wie Indien, wo der Rückgang noch ausgeprägter ist.

Die Folgen für die Gewässerökologie

Die Wassertemperatur hat sich auch am Müggelsee in Berlin um etwa 2 Grad erhöht, so Jan Köhler vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Das hat Auswirkungen auf die gesamte Ökologie des Sees. Drei der letzten vier Sommer waren Dürresommer, was bedeutet, dass nicht nur die Wasserpegel sinken, sondern auch die langfristigen Veränderungen unter Wasser schwer zu erkennen sind. Ein dramatisches Beispiel ist das Fischsterben in der Oder, das auf toxische Algen zurückgeführt wird. Diese Algen werden durch die hohen Wassertemperaturen und Salzabläufe aus dem polnischen Bergbau begünstigt. Die Algen blühen und nehmen den Fischen den Sauerstoff – ein Teufelskreis.

Der Hamburger Hafen ist ein weiteres Beispiel, wo im Sommer ein großes Sauerstoffloch entsteht, das für wandernde Fische eine unüberwindbare Barriere darstellt. Hier wird es richtig kritisch. Doch die Bundesregierung denkt bereits über eine Wasserstrategie nach, um den Wasserhaushalt unter den Bedingungen des Klimawandels zu regulieren. Diese Strategie soll Ökologie, Naturschutz, Schifffahrt und Wasserqualität in Einklang bringen. Eine gewaltige Herausforderung, die uns alle betrifft.

Klimawandel und seine globalen Auswirkungen

Die Situation ist nicht nur auf Flüsse und Seen beschränkt. Auch im Meer zeigt sich, wie Organismen auf die veränderten physikalischen Bedingungen reagieren. Arten wie Kabeljau und Hering sind bereits weiter nach Norden gewandert, während wärmeliebende Arten sich in der Nordsee etabliert haben. Diese Arealverschiebungen können das gesamte Nahrungsnetz durcheinanderbringen. Ein Beispiel dafür sind die Heringe in der Ostsee, die aufgrund früherer Laichzeiten bei höheren Temperaturen nicht genug Nahrung finden und verhungern. Es ist ein schleichender, aber sicherer Verlust von Biodiversität, der uns alle angeht.

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Die Herausforderungen sind riesig und die Lösungen erfordern Zusammenarbeit und Innovation. Wir müssen uns dringend um den Schutz unserer Gewässer kümmern, denn sie sind nicht nur Lebensraum für viele Arten, sondern auch wichtig für unsere eigene Zukunft. Ob es um den Bodensee geht, der unter der veränderten Schichtung leidet, oder um die Elbe, die bei Dürreperioden sinkende Wasserstände zeigt – wir stehen am Anfang eines langen Weges, der uns alle betreffen wird.