Der schleichende Gigant: Der Europäische Wels und seine Folgen für unsere Gewässer
Heute ist der 20.07.2026. Die Welt um uns herum verändert sich, und mit ihr die Gewässer, die wir so gut kennen. Ein ganz besonderer Akteur in dieser Geschichte ist der Europäische Wels (Silurus glanis), der nicht nur der größte reine Süßwasserfisch Europas ist, sondern auch auf dem besten Weg ist, unsere Seen und Flüsse weiter zu erobern.
Vor allem in wärmer werdenden Gewässern, wie dem Gardasee, breitet sich der Wels zunehmend aus. In letzter Zeit berichten Fischer und Taucher von beeindruckenden Exemplaren, die bis zu drei Meter lang und über 100 Kilogramm schwer werden können. Ohne natürliche Feinde in seinen neuen Lebensräumen wächst dieser Raubfisch ein Leben lang und hat sich als wahres Überlebenskünstler erwiesen. Tagsüber versteckt er sich am Grund tiefer Gewässer und wird in der Dämmerung und Nacht aktiv. Seine breite Nahrungspalette reicht von kleineren Fischen über Krebstiere bis hin zu Wasservögeln. In nahrungsreichen, warmen Seen kann er sich über Jahrzehnte zu einem großen Raubfisch entwickeln.
Ein großer Fisch mit großen Auswirkungen
Der Wels ist nicht nur beeindruckend, er hat auch weitreichende ökologische Konsequenzen. In einigen italienischen Seen führt sein wachsender Bestand zu einem Rückgang der einheimischen Fischbestände. Besonders bedroht ist der endemische Carpione am Gardasee. Ab einer Körperlänge von etwa einem Meter hat der Wels kaum noch Fressfeinde und kann dadurch die Bestände einheimischer Arten erheblich beeinträchtigen. Wenn wir darüber nachdenken, wie viel Beute ein Wels benötigt – etwa sechs bis sieben Kilogramm für ein Kilogramm Zuwachs – wird deutlich, welche Auswirkungen er auf das lokale Ökosystem haben kann.
Ein französisches Forschungsteam hat sogar beobachtet, dass Welse gezielt Tauben an Land jagen, eine Verhaltensweise, die als erlernte Spezialisierung interpretiert wird. Diese Anpassungsfähigkeit ist Teil dessen, was den Wels so erfolgreich macht. Sein rasches Wachstum und seine Fähigkeit, sich an verschiedene Lebensräume anzupassen, sind Belege für seine Robustheit. In Baden-Württemberg hat sich der Anteil der Gewässer mit Welsnachweis in den letzten Jahrzehnten nahezu verdreifacht. Das spricht Bände über die Ausbreitung dieses Fisches und die Herausforderungen, die damit einhergehen.
Ein Forschungsthema von großer Bedeutung
Die neue Publikation „Silurus glanis in Europe: A review of invasive traits, ecological impacts and detection methods“ beleuchtet genau diese Entwicklungen. Autoren wie Stefano Brignone und Francesco Cicala haben sich mit den ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen des Welses auf Süßwasserökosysteme beschäftigt. Dabei wird deutlich, dass die Datenlage noch immer Lücken aufweist. Unterschiedliche Studien berichten von erheblichen bis minimalen Auswirkungen auf Fischgemeinschaften, was auf Unterschiede in Methodik und Datenerhebung zurückzuführen ist. Das macht deutlich, wie wichtig koordinierte Forschungsanstrengungen sind, um die Folgen besser abzuschätzen und wirksame Managementstrategien zu entwickeln.
Der Wels ist 2026 sogar zum deutschen Fisch des Jahres gekürt worden. Das zeigt, dass er nicht nur ein Thema für Wissenschaftler, sondern auch für die Öffentlichkeit ist. Noch bleibt viel zu tun, um die langfristigen Auswirkungen seiner Ausbreitung auf die heimischen Fischarten zu verstehen. Die Diskussion über den Europäischen Wels ist also noch lange nicht abgeschlossen.
