In München hat Pater Jörg Alt, ein Jesuitenpater und engagierter Klimaaktivist, kürzlich eine Geldstrafe von 100 Euro erhalten, weil er an einer Straßenblockade teilgenommen hat. Diese Aktion, die im September 2023 stattfand und etwa 15 Minuten dauerte, führte zu einem kleinen, aber merklichen Stau. Die Amtsrichterin, die das Urteil am Mittwoch fällte, erkannte zwar die Dringlichkeit des Klimaschutzes an, betonte jedoch, dass Zwang nicht mit einem geordneten Zusammenleben vereinbar sei. Ihre Strafe fiel mit zehn Tagessätzen à 10 Euro weit unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft von 40 Tagessätzen aus. Zusammen mit drei Mitstreitern musste Alt mit ähnlichen Geldstrafen rechnen. Die Polizei war schnell zur Stelle und begleitete die Aktivisten von der Straße, wobei die rechtliche Einordnung der Protestaktion als strafbare Nötigung gerechtfertigt wurde.
Pater Alt, der bereits 1961 in Saarbrücken das Licht der Welt erblickte und 1981 in den Jesuitenorden eintrat, hat sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Klimawandel beschäftigt. Er ist nicht nur ein Mensch des Glaubens, sondern auch ein Denker – mit Abschlüssen in Theologie, Sozialethik und Soziologie. Sein Weg zum Klimaaktivisten war nicht immer einfach. Zuvor war er in der klassischen politischen Willensbildung aktiv, schrieb Bücher und hielt Vorträge über Klima- und Umweltschutz. Ein Schlüsselmoment in seiner Sichtweise war die Bewegung „Fridays for Future“ sowie der Hungerstreik der „Letzten Generation“, die ihm die Dringlichkeit der Lage vor Augen führten.
Ziviler Ungehorsam und die Folgen
Alt bezeichnet sich selbst als Straftäter, lehnt aber den Begriff „Kirchenrebell“ ab. Sein erstes „Verbrechen“ war das „Containern“, eine Praxis, die er mit seinen Ordensoberen abgesprochen hatte. Der Umstand, dass er Straßen blockiert, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, hat ihn in den Fokus der Justiz gerückt. Er ist rechtskräftig verurteilt und wird nicht müde, auf die Probleme im Verkehrssektor hinzuweisen, der in Deutschland die drittgrößte Menge an Treibhausgasen ausstößt und dennoch am wenigsten zur Veränderung beiträgt. Alt kritisierte auch den Verkehrsminister Volker Wissing, der seiner Meinung nach das Klimaschutzgesetz gebrochen hat – ein Anlass für seinen eigenen Gesetzesbruch.
Seine Enttäuschung über den Umgang der Justiz mit seinem Klimaprotest ist spürbar. Er sieht den Protest als eine Art Verpflichtung der Regierung zu mehr Klimaschutz. „Die Regierung und die Konzerne unternehmen nichts gegen die Klimakrise“, sagt er. „Stattdessen verschärfen sie die Situation.“ In der Vergangenheit hat Alt bereits 2025 für 25 Tage im Gefängnis gesessen, weil er eine Geldstrafe nicht zahlen wollte. Während seiner Haft erlebte er Respekt von anderen Gefangenen und Wärtern, fand die Bedingungen jedoch belastend. Er lehnte soziale Arbeit oder die Bezahlung einer Geldstrafe ab, um so auf das Urteil aufmerksam zu machen.
Der Diskurs über zivilen Ungehorsam
Die Protestform des zivilen Ungehorsams, die Alt und viele seiner Mitstreiter nutzen, ist ein emotionales und oft polarisiertes Thema. In der Debatte über solche Aktionen wird häufig zwischen Legalität und Legitimität unterschieden. Ziviler Ungehorsam wird als Akt der Verweigerung definiert, der gegen geltende Gesetze verstößt, aber aus einer tiefen moralischen Überzeugung heraus erfolgt. Henry David Thoreau gilt als Begründer dieser Form des Widerstands, der in seinem berühmten Essay von 1849 die Verweigerung von Steuerzahlungen aus Gewissensgründen thematisierte.
Es gibt verschiedene Positionen zur Debatte über zivilen Ungehorsam. Einige lehnen ihn im demokratischen Rechtsstaat ab, während andere ihn als legitim ansehen, wenn er gewaltlos und öffentlich erfolgt. Die Aktionen der „Letzten Generation“ und ähnliche Bewegungen sind oft durch spontane Protestpraktiken geprägt, die nicht immer in die tiefere Philosophie des zivilen Ungehorsams eintauchen. Dennoch ist die Frage der öffentlichen Akzeptanz und der legistischen Legitimation von zentraler Bedeutung. Alt selbst ermutigt die Menschen, sich weiterhin für den Klimaschutz zu engagieren und gegen den Klimawandel zu argumentieren. Und ab dem 24. Dezember wird er als Pfarrer tätig sein – ein neuer Lebensabschnitt, in dem er jedoch nicht aufhören möchte, für seine Überzeugungen einzutreten.