Vor der malerischen Insel Borkum tut sich einiges in der Nordsee. Seit Anfang April 2026 fördert der Energiekonzern One-Dyas hier Erdgas und hat gleich eine zweite Bohrung auf der Plattform N05-A in Betrieb genommen. Jährlich sollen jetzt eine Milliarde Kubikmeter Gas gefördert werden, mit dem ehrgeizigen Ziel, bis zum vierten Quartal 2026 auf zwei Milliarden Kubikmeter zu steigern. Damit deckt man etwa 2,5 Prozent des deutschen Gasbedarfs und sogar 7 Prozent des Bedarfs unserer Nachbarn in den Niederlanden. Klingt nach einem großen Schritt, vor allem, wenn man bedenkt, dass One-Dyas mit dieser heimischen Förderung die bestehende Nachfrage nach Erdgas bedienen möchte.

Die Bohrplattform liegt, wie gesagt, etwa 20 Kilometer vor Borkum, und die Gasfelder erstrecken sich über niederländisches und deutsches Hoheitsgebiet. Doch der Fortschritt kommt nicht ohne Widerstand. Umweltschützer, Bürgerinitiativen und sogar die Insel Borkum selbst haben Klagen gegen die Gasförderung eingereicht. Ihre Bedenken? Die möglichen negativen Umweltfolgen, die diese Bohrungen für die Insel und das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer mit sich bringen könnten. Momentan laufen die Gerichtsverfahren, und die Urteile in den Hauptverfahren stehen noch aus. Verhandlungen in Deutschland und den Niederlanden sind für dieses Jahr angesetzt.

Rechtliche Hürden und Umweltschutz

Das niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg hat jedoch bereits grünes Licht für die Bohrungen gegeben. Im Januar 2026 entschied es, dass die Bohrungen in Deutschland fortgesetzt werden dürfen – ein Urteil, das von One-Dyas mit offenen Armen empfangen wurde. Eine offene Klage gegen das Projekt hat mittlerweile keine aufschiebende Wirkung mehr, was die Situation für die Umweltschützer nicht einfacher macht. Sie, insbesondere die Deutsche Umwelthilfe (DUH), halten die Genehmigung für rechtswidrig und setzen auf die noch ausstehenden Hauptverfahren. Es bleibt also spannend, wie sich die rechtliche Lage weiterentwickelt.

Die Risiken? Ja, auch die wurden im Verfahren untersucht. Erdbeben oder Bodenabsenkungen – bisher erwarten die Gutachter keine negativen Auswirkungen auf Borkum oder das Grundwasser. Aber die Diskussion ist noch lange nicht ausgestanden. Die Stadt Borkum und die Inselgemeinde Juist haben sogar einen Eilantrag gestellt, um den Sofortvollzug zu verhindern. Komischerweise gibt es in der Landesregierung unterschiedliche Meinungen zur Gasförderung. Während der Umweltminister sie für entbehrlich hält, sieht der Wirtschaftsminister sie als wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit.

Ein gemeinsames Vorhaben

Am 2. Juli 2025 hat das Bundeskabinett einem Abkommen mit den Niederlanden zur gemeinsamen Erdgasförderung vor Borkum zugestimmt. Ein Schritt, der für Umweltschützer und die Grünen wie ein „Geschenk an die fossile Industrie“ wirkt. Dieses Abkommen soll die rechtlichen Voraussetzungen für die Erschließung grenzüberschreitender Gasfelder schaffen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche betont, dass es die Versorgungssicherheit stärken soll. Doch der Druck auf die Gerichte und Genehmigungsbehörden wird kritisiert, und viele warnen vor möglichen Umweltschäden.

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Der Dachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) sieht das Vorhaben im Widerspruch zu den Klimazielen der Bundesregierung. Immerhin schätzt One-Dyas, dass allein aus dem Feld „N05-A“ zwischen 4,5 und 13 Milliarden Kubikmeter Gas gewonnen werden können – das sind 6 bis 16 Prozent des deutschen Gasverbrauchs im Jahr 2024. Außerdem sind zwei neue Windparks nördlich von Borkum und Norderney in Planung, mit möglichen Bauarbeiten ab dem Frühjahr 2027. Es bleibt abzuwarten, ob diese Vorhaben Hand in Hand gehen oder der Konflikt zwischen Energiebedarf und Umweltschutz noch lange auf der Tagesordnung bleibt.