Skandinavien – ein Begriff, der oft mit Bildern von unberührter Natur, klaren Seen und freundlichen Menschen assoziiert wird. Doch die Realität sieht manchmal anders aus. Die Länder Dänemark, Norwegen und Schweden, die sich geografisch, kulturell und politisch deutlich unterscheiden, haben zwar den Ruf, in Sachen Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einzunehmen, doch gibt es auch Schattenseiten. Christian Klöckner, Umweltpsychologe an der Universität Trondheim, hat in seinen mehr als 18 Jahren in Norwegen beobachtet, dass das Thema Nachhaltigkeit im Alltag vieler Norweger nicht unbedingt präsent ist. Komischerweise wird häufig von den „heimischen Produkten“ ausgegangen, dass sie automatisch nachhaltig sind – ein Trugschluss, der sich in vielen Bereichen zeigt.

Ein Beispiel? Die Erschließung unberührter Natur für private Freizeithütten. Oder das in Plastik verpackte Gemüse – ein Bild, das in einem Land, das sich als umweltbewusst versteht, eigentlich nicht vorkommen sollte. Und dann sind da noch die Zahlen: Norweger verbauen pro Kopf mehr Fläche als jedes andere europäische Land. In der Rubrik „Kunststoffverbrauch“ haben die nordischen Länder ebenfalls einen Spitzenwert: Jeder Bürger hat im Schnitt rund 1.100 Kilogramm Kunststoff in Gebrauchsgütern. Und das, während die meisten Gebäude in Skandinavien energetisch ineffizient sind – ein Problem, das mit den steigenden Energiekosten immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Ein Blick auf Dänemark

In Dänemark hingegen wird aktuell eine mutige Initiative ins Leben gerufen: Als erstes Land der Welt plant Dänemark eine Klimasteuer für Schweinemast- und Milchbetriebe. Die Idee dahinter? Die Treibhausgasemissionen der Branche zu besteuern, um bis 2030 die Emissionen um satte 70 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Der Agrarsektor ist in Dänemark für 35 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich, während es in Deutschland nur etwa 8 Prozent sind. Das wirft die Frage auf, ob Dänemark hier wirklich einen Schritt voraus ist, oder ob das Land in einem ähnlichen Dilemma steckt wie seine nordischen Nachbarn.

Eine Expertenkommission hat die Einführung dieser Abgabe empfohlen. Die geplanten Kosten für die Landwirte belaufen sich auf etwa 40 Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2030, steigend auf 100 Euro bis 2035. Um den Bauern unter die Arme zu greifen, sollen Einkommenssteuerentlastungen helfen, sodass die tatsächliche Belastung zwischen 15 und 40 Euro pro Tonne CO2 liegen könnte. Das dänische Vorhaben muss zwar noch durch das Parlament, doch die Chancen auf Zustimmung stehen gut – ein Hoffnungsschimmer, der die Welt aufhorchen lassen könnte!

Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Ein weiterer Aspekt, der uns in die Gedankenwelt der Skandinavier führt, ist der hohe Fleischkonsum. Dänemark hat im Jahr 2023 einen Pro-Kopf-Fleischkonsum von etwa 76 Kilogramm – ein Wert, der in Deutschland mit 51,6 Kilogramm deutlich niedriger ausfällt. In Norwegen ist der Fleischkonsum ebenfalls hoch, und nachhaltige Lebensmittel sind noch nicht weit verbreitet. Die Norweger verursachen durch Flugreisen doppelt so viel CO₂ wie Deutsche oder Schweden – ein Fakt, der in einem Land, das oft für seine Umweltfreundlichkeit gelobt wird, irgendwie befremdlich wirkt.

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Die Herausforderungen sind also vielfältig. Der Weg zu einem nachhaltigeren Lebensstil ist sowohl in Dänemark als auch in Norwegen mit vielen Hürden gepflastert. Es bleibt abzuwarten, ob die skandinavischen Länder ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden können, während sie gleichzeitig als Vorbilder für andere Nationen gelten wollen. Für den Moment können wir nur gespannt verfolgen, wie sich diese Entwicklungen gestalten werden. Vielleicht wird das Gras im Norden eines Tages tatsächlich grüner – für uns alle.

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