Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde, und gerade jetzt, wo die Weltwirtschaft vor einschneidenden Herausforderungen steht, wird deutlich, wie unterschiedlich Länder mit dieser Verantwortung umgehen. Der europäische Green Deal sollte uns ja eigentlich auf den richtigen Kurs bringen, um Unternehmen zur Klimaneutralität zu animieren und die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu fördern. Doch, wie so oft, gibt es einen Haken. Nach lautstarken Protesten aus der Wirtschaft wurden viele Unternehmen von den strengen Berichtspflichten entlastet. Der bürokratische Aufwand wurde als viel zu hoch und der Nutzen als eher gering eingeschätzt. Angelika Niebler, eine CSU-Politikerin im Europäischen Parlament, hat dazu auch ihren Senf abgegeben: Sie sieht die Unternehmen mit zu viel Zeit für Compliance beschäftigt, anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Irgendwie nachvollziehbar, oder?

Doch die Verpflichtungen bleiben, vor allem wenn es um die Datenlieferung an geschäftliche Partner geht. Hier zeigt sich, dass die Kontroversen um die Nachhaltigkeitsberichte weiterhin brodeln. Während Europa möglicherweise seine Vorreiterrolle in der Umwelttechnik gefährdet, zieht China an uns vorbei. Mit einer ähnlichen Berichterstattungspflicht, die von der Regierung unter Präsident Xi Jinping eingeführt wurde, könnte sich das Land einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen. Seit April 2023 sind chinesische Großkonzerne verpflichtet, einen Bericht zur Corporate Social Responsibility (CSR) zu veröffentlichen, der ein ganzes Bündel an Themen abdecken muss – von Umwelt über Soziales bis hin zu Governance. Das klingt nach einem echten Kraftakt!

Der Zustand der Berichtspflichten in Europa

In Europa hingegen schraubt man die Anforderungen zurück. Ein Bürokratie-Entlastungspaket der EU wird von Niebler als Erfolg gefeiert – doch ist das wirklich der richtige Weg? Die Industrie hat Angst, unter der Komplexität der Regelungen zu leiden. Chinas verschärfte Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung stehen im krassen Gegensatz dazu. Die geopolitische Lage und die wirtschaftliche Schwäche seit 2022 haben die Sichtweise auf diese Berichterstattung ganz schön ins Wanken gebracht. Es bleibt abzuwarten, ob Europa den Anschluss verliert und China zum globalen Standardsetzer in industriellen Themen aufsteigt.

Ein Blick auf die globale Landschaft zeigt, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung mittlerweile in den Reportingstrukturen fast aller großen Unternehmen verankert ist. Das belegt die Studie „The move to mandatory reporting“, die auf einer Analyse von Expertinnen und Experten aus 58 Mitgliedsfirmen im KPMG-Netzwerk basiert. Der Prozentsatz der Unternehmen, die Emissionsreduktionsziele festlegen, ist gestiegen, und auch die Veröffentlichung von Informationen über Auswirkungen auf die Biodiversität nimmt zu. Das sind positive Entwicklungen, die uns vielleicht einen kleinen Hoffnungsschimmer geben können.

Einheitliche Standards sind gefragt

Ursprünglich kam der Wunsch nach einheitlichen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von den Unternehmen selbst. Und das ist auch ein Zeichen dafür, dass der Druck groß ist. Die Kontroversen und der unterschiedlich strenge Umgang mit diesen Themen in den verschiedenen Regionen der Welt zeigen jedoch, wie wichtig es ist, klare und gerechte Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Erkenntnisse der KPMG-Studie, die die jährliche Finanzberichterstattung, integrierte Berichterstattung sowie ESG- und Nachhaltigkeitsberichterstattung der 100 größten Unternehmen in verschiedenen Ländern unter die Lupe genommen hat, verdeutlichen diesen Bedarf. Mit Daten von 5.800 Unternehmen hat die Studie einen noch nie dagewesenen Umfang in dieser Reihe erreicht.

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Die Entwicklungen rund um die Nachhaltigkeitsberichterstattung sind ein Spiegelbild der aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Wie wir mit diesen Themen umgehen, wird nicht nur die Zukunft der Unternehmen, sondern auch die unseres Planeten maßgeblich beeinflussen. Man darf gespannt sein, wie sich der Wettlauf um die besten Standards in den kommenden Jahren entwickeln wird. Eines ist klar: Wir stehen erst am Anfang eines langen Weges.