Heute ist der 22.05.2026 und während ich hier sitze, um über den Klimawandel und die damit verbundenen Herausforderungen zu schreiben, merke ich, wie sehr das Thema uns alle betrifft. Der Klimawandel ist nicht nur eine abstrakte Bedrohung, sondern eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Dennoch wird das öffentliche Bewusstsein über diese ernsten Fragen stark von Desinformation geprägt, die sich wie ein schleichendes Gift durch die Gesellschaft zieht.

Wie das European Digital Media Observatory feststellt, sind etwa 5 bis 15 Prozent aller Online-Falschinformationen in der EU klimabezogen. Es ist erschreckend, dass der Klimawandel und der Ukraine-Konflikt als zentrale Zielscheiben für irreführende Inhalte fungieren. Was dabei besonders ins Gewicht fällt: Emotionale und polarisierende Beiträge erreichen in sozialen Medien oft viel mehr Menschen als sachliche Informationen. Das wirft die Frage auf, wie wir Vertrauen in Medien, Wissenschaft und Institutionen zurückgewinnen können, wenn eine laute Minderheit den Eindruck erweckt, dass politische Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht durchsetzbar sind.

Desinformation als Risiko

Der Global Risk Report 2025 stuft Fehl- und Desinformation als eines der größten Risiken ein. Das ist kein Zufall. Unternehmen und politische Gruppen verbreiten gezielt Zweifel am menschengemachten Klimawandel, indem sie dessen menschlichen Ursprung infrage stellen oder Klimaschutzmaßnahmen als wirkungslos darstellen. So wird die Unterstützung für notwendige Maßnahmen unterschätzt, was fatale Folgen haben kann.

Norbert Totschnig, Österreichs Minister für Land- und Forstwirtschaft, betont die Notwendigkeit verlässlicher Informationen für effektiven Klima- und Umweltschutz. Österreich hat auf der COP 30 in Belém 2025 die „Initiative for Information Integrity on Climate Change“ unterzeichnet – ein starkes Zeichen für wissenschaftsbasierte Informationen. Diese Initiative wird von Ländern wie Kanada, Deutschland und Peru getragen und zielt darauf ab, die Qualität von Klimainformationen weltweit zu verbessern.

Verbreitung von Desinformation

Doch das Problem ist nicht nur national. Auch international warnen Politik und Wissenschaft vor der zunehmenden Klima-Desinformation, insbesondere in sozialen Netzwerken. UN-Generalsekretär António Guterres hat deutlich gemacht, dass diese Desinformationskampagnen den Fortschritt im Kampf gegen den Klimawandel behindern. Brasilien, die UN und UNESCO haben eine globale Initiative ins Leben gerufen, um diesem Trend entgegenzuwirken, und bereits Länder wie Chile, Dänemark und das Vereinigte Königreich haben ihre Teilnahme bestätigt.

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Eine Untersuchung der Koalition Climate Action Against Disinformation (CAAD) hat drei Hauptfaktoren für die Verbreitung von Klimadesinformation identifiziert: Soziale Netzwerke ermöglichen die Verbreitung entlarvter Falschbehauptungen über erneuerbare Energien und Elektrofahrzeuge. Wetterextreme werden ausgenutzt, um Widerstand gegen Klimapolitik zu schüren, was teilweise sogar zu Gewaltandrohungen gegen Rettungskräfte führt. Und dann gibt es da noch die Werbung für fossile Brennstoffe, die in sozialen Netzwerken oft Greenwashing betreibt.

Die Rolle der Medien

Hier kommen die klassischen Medien ins Spiel. Sie haben das Potenzial, Desinformation zu verstärken, indem sie falsche Aussagen ungeprüft weitergeben. Ein Beispiel: Im Jahr 2023 gaben acht Werbetreibende für fossile Brennstoffe auf Meta mindestens 17,6 Millionen Dollar für digitale Werbung aus. Das untergräbt nicht nur das Vertrauen der Menschen in die Medien, sondern auch in die Wissenschaft. Experten berichten, dass Desinformationsakteure mittlerweile nicht mehr den Klimawandel leugnen, sondern versuchen, Klimaschutzmaßnahmen zu verzögern. Argumentationsmuster wie das Abwälzen der Verantwortung auf andere Länder oder das Warten auf neue Technologien ziehen sich wie ein roter Faden durch diese Kampagnen.

Besonders alarmierend ist, dass ärmere Menschen am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Diejenigen, die gegen Klimaschutzmaßnahmen argumentieren und auf soziale Gerechtigkeit hinweisen, sind oft nicht einmal bereit, sich für soziale Themen einzusetzen. Es ist klar, dass es niemals zu spät ist, Emissionen zu senken, und jede vermiedene Erhitzung zählt.

In einer Welt, in der Falschinformationen über den Klimawandel so weit verbreitet sind, bleibt die Frage: Wie können wir als Gesellschaft sicherstellen, dass die richtigen Informationen die Oberhand gewinnen? Der Kampf gegen Desinformation ist ein zentraler Bestandteil des Klimaschutzes. Wir müssen nicht nur die Fakten kennen, sondern auch lernen, sie richtig zu kommunizieren. Denn am Ende des Tages hängt unsere Zukunft davon ab, dass wir der Wahrheit Gehör verschaffen.