Der Klimawandel hat längst nicht nur Auswirkungen auf unsere Temperaturen und Niederschläge. In Hessen, zum Beispiel, beobachtet man eine besorgniserregende Zunahme der Zeckenpopulation. Adela Zatecky, eine Zeckenexpertin vom Naturschutzbund (Nabu) Mühlheim und Offenbach, hebt hervor, dass Zecken zu den klaren Gewinnern dieser klimatischen Veränderungen zählen. Es ist schon fast erschreckend: Neue Arten wie die Auwaldzecke und Schafzecke, die früher in Hessen kaum vorkamen, sind mittlerweile auf dem Vormarsch. Diese Entwicklung hat nicht nur ökologischen, sondern auch gesundheitlichen Einfluss, denn die Gefahren durch diese neuen Zeckenarten sind schwer abzuschätzen.

Besonders Hundebesitzer, die ihren Vierbeiner mit auf Reisen nach Südeuropa nehmen, sollten auf der Hut sein. Diese Zecken können als blinde Passagiere mitgebracht werden und sind oft wärmeliebend. Der Gemeine Holzbock, die bekannteste unter den heimischen Zecken, bleibt der Hauptüberträger von Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2025 wurden in Hessen 25 FSME-Fälle registriert, während es im Vorjahr nur 10 waren. Aufmerksame Naturfreunde bemerken, dass milde Winter die natürliche Regulierung der Zeckenpopulation verringern. Ab etwa 8 Grad Celsius beginnt die Zeckenaktivität, was die Vermehrungszeit verlängert.

Ein neuer Blick auf Zecken

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat mit dem CLIMATICK-Projekt eine umfassende Erfassung der Zeckenspezies und den durch sie übertragenen Pathogenen gestartet. Ziel ist es, neue Pathogene zu erkennen, die durch Klimawandel und Globalisierung begünstigt werden. Ein Zecken-Atlas mit deutschlandweiten Daten soll ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Zecken und klimatischen Veränderungen ermöglichen. Diese Initiative zeigt, wie wichtig es ist, die Zeckenpopulationen genau zu überwachen, denn Zecken sind bedeutende Überträger von Krankheitserregern auf Menschen und Tiere. Durch das Citizen-Science-Projekt können Bürger aktiv teilnehmen und Zecken einsenden, um zur Forschung beizutragen.

Die gesundheitlichen Risiken nehmen zu, nicht nur durch die Zecken selbst, sondern auch durch die Krankheiten, die sie übertragen können. Die Asiatische Tigermücke, die bereits in Teilen Deutschlands heimisch ist, kann gefährliche Viren wie Dengue-, Chikungunya- und Zika-Virus übertragen. Ein verstärktes Monitoring dieser Stechmückenpopulationen wird daher immer dringlicher. Laut einem Bericht des RKI ist die Zunahme des Verbreitungsgebiets von Zecken nicht zu ignorieren, und Aufklärung über Schutzmaßnahmen sowie Impfungen in Risikogebieten sind unerlässlich. Bei Aufenthalten in der Natur sollte man nicht vergessen, Klamotten bei 60 Grad zu waschen und den Körper gründlich nach Zecken abzusuchen.

In Hessen sind mittlerweile zehn Land- und Stadtkreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen, darunter Offenbach und Darmstadt. Zatecky erwartet sogar eine Ausbreitung dieser Gebiete und einen Anstieg der FSME-Fälle. Das bedeutet, dass wir uns auf mehr Fälle einstellen müssen. Im Kampf gegen die Zeckenplage und ihre gesundheitlichen Folgen sind wir gefordert, unser Gesundheitssystem an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen, insbesondere für die alternde Bevölkerung. Die Verbindung zwischen dem Klimawandel und unserem Gesundheitswesen wird immer deutlicher und macht deutlich, dass wir alle gefordert sind, unsere Gewohnheiten zu überdenken und aktiv zu werden.

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