Heute ist der 2.05.2026 und der Klimawandel ist in aller Munde. Im Kreis Pinneberg, einer der größten geschlossenen Baumschulgebiete weltweit, wird intensiv an der Zukunft unserer Wälder gearbeitet. Baumschulchef Jens Sander in Tornesch bereitet gerade junge Blumeneschen für den Transport nach Neumünster vor. Es ist Hochsaison in den Baumschulen, und zahlreiche Lkw stehen bereit, um die gefragten Bäume rechtzeitig auszuliefern.
Die Nachfrage nach sogenannten Klima-Bäumen steigt stetig. Diese speziellen Baumarten sind resistent gegen Trockenheit, Hitze und Extremwetter – genau das, was wir in Zeiten des Klimawandels dringend benötigen. Seit etwa 15 Jahren setzen immer mehr Kommunen auf klimaresistente Baumarten. Doch die Anforderungen an die Bäume variieren je nach Region, Boden-pH-Wert und Winterkälte. Im Norden Deutschlands sind windresistente Bäume besonders wichtig, während in anderen Regionen andere Eigenschaften gefragt sind.
Forschung und Entwicklung
Der Umsatz mit Klima-Gehölzen in Schleswig-Holstein hat einen bemerkenswerten Anstieg erfahren. Lag der Anteil dieser speziellen Baumarten vor zehn Jahren noch bei 10%, so ist er mittlerweile auf über 30% gestiegen. Der Produktionswert der Baumschulen in der Region beläuft sich auf etwa 200 Millionen Euro. Doch die hohen Anforderungen an Klima-Bäume schränken die Auswahl ein, was zu Monokulturen führt, die anfällig für Schädlinge sind.
In einem gemeinsamen Projekt mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein forscht Jens Sander an einer neuen Generation von Klima-Bäumen. In einem Feldversuch werden etwa 100 junge Bäume von 50 verschiedenen Sorten untersucht. Ziel ist es, regelmäßig Daten zu Wachstum, Blüte und Frostempfindlichkeit zu erheben. Besonders vielversprechend zeigt sich die mongolische Linde, die sowohl Hitze als auch kalte Winter gut verträgt.
Nachhaltige Baumschulwirtschaft
Die Baumschulen in Schleswig-Holstein spielen eine zentrale Rolle im Klimawandel. Sie sind nicht nur CO2-Senken, sondern schaffen auch wertvolle Erholungsräume. Im Rahmen des Projekts „Nachhaltige Baumschulwirtschaft in Schleswig-Holstein“ wird mit einer Förderung von 850.000 Euro der Aufbau eines Modellbetriebs und eine Koordinierungsstelle unterstützt. Hier sollen nachhaltige Verfahren und Techniken getestet und in die Praxis umgesetzt werden.
Die Kernthemen des Projekts sind vielfältig: Es geht um die Entwicklung innovativer Pflanzenschutzverfahren, wassersparender Bewässerungstechniken und die Nutzung nachhaltiger organischer Dünger. Zudem steht die Prüfung torfreduzierter Substrate auf der Agenda. Der Fachbeirat, bestehend aus Baumschulakteuren und Verbänden, wird den Prozess begleiten und sicherstellen, dass die entwickelten Lösungen in der Praxis funktionieren.
Die Zukunft der Wälder
Die Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, sind enorm. Hitze- und Trockenstress setzen viele Baumarten unter Anpassungsdruck. Die häufigeren Schadereignisse wie Stürme und Starkregen erhöhen die Unsicherheiten im Waldbau. Eine standortgemäße Baumartenwahl wird entscheidend für stabile und widerstandsfähige Waldbestände. Die Ziele sind klar: Stabilität in der Klimakrise, Anpassungsfähigkeit und der Erhalt der Ökosystemleistungen wie Holzproduktion, CO2-Bindung und Biodiversität.
Die Baumschulen im Kreis Pinneberg, die auf Gehölze der gemäßigten Klimazone spezialisiert sind, haben eine lange Tradition, die über 250 Jahre zurückreicht. Jede zweite Freilandrose und jede dritte Forstpflanze in Deutschland stammt aus dieser Region. Die Baumschulbranche in Deutschland umfasst insgesamt 1.500 Betriebe mit einem Jahresumsatz von über 1 Milliarde Euro. Die aktive Anpassung der Wälder ist notwendig, denn natürliche Anpassungsprozesse sind oft zu langsam, um den Herausforderungen des Klimawandels gerecht zu werden.
Insgesamt ist die Forschung an klimaresistenten Baumarten und die Förderung nachhaltiger Baumschulwirtschaft von entscheidender Bedeutung für die Zukunft unserer Wälder. Projekte wie die von Jens Sander und die Unterstützung durch die Landesregierung sind ein Schritt in die richtige Richtung, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen und unsere wertvollen Ökosysteme zu bewahren.