Die Harzer Bachforelle, ein wahres Juwel der heimischen Gewässer, sieht sich einer bedrohlichen Zukunft gegenüber. Der Klimawandel hat die Lebensräume dieser sensiblen Art stark beeinträchtigt. Schattige, kühle Bäche, die einst ein ideales Habitat für die Bachforelle boten, trocknen aus. Das Wasser wird wärmer und seine Qualität leidet – eine fatale Kombination. Niedersächsische Landesforsten schlagen Alarm und warnen vor dem drohenden Aussterben der letzten Bestände.
Doch es gibt Hoffnung! Der Verein SaBiKu hat eine Rettungsaktion ins Leben gerufen, die sich der Sicherung der genetischen Ressourcen der Bachforellen widmet. Das Ziel ist klar: Ein stabiler Laichfischstamm soll aufgebaut werden, um die Bestände in geeigneten Gewässern wieder aufzufrischen. Zu diesem Zweck wurden fünf Gewässer im Harz ausgewählt, darunter die Radau, der Dammgraben, das Kellwasser, die Sieber und die Oder. Diese Orte sind nun Schauplätze einer außergewöhnlichen Aktion: Elektrobefischungen, bei denen erfahrene Vereinsmitglieder und Fischökologen schonend erwachsene Bachforellen fangen.
Die Rettungsaktion im Detail
Aber wie funktioniert das Ganze konkret? Nun, die gefangenen Weibchen werden in Wannen kurzzeitig gehältert und bei Laichreife abgestriffen. Durch sanften Druck auf die Bauchhöhle geben die weiblichen Fische ihre Eier ab – so wird der Rogen vor Ort befruchtet. Hierbei kommt der Vorteil ins Spiel, dass die Bachforellen nicht transportiert werden müssen und schnell wieder in ihre Gewässer zurückgesetzt werden können. Eine ziemlich clevere Lösung, wenn man bedenkt, dass die Zeit drängt. Die Abflüsse in den Harzbächen sind hoch, und laichbereite Weibchen zu finden, gestaltet sich als echte Herausforderung. Zudem ist das Zeitfenster für das Abspritzen des Rogens oft sehr kurz.
Die Bachforellen haben sich über die Jahre an die speziellen Bedingungen der Bäche angepasst und bilden standorttypische Lokalpopulationen. Es ist bemerkenswert, dass diese Fische, die als die häufigste Art im Nationalpark Harz gelten, langsam wachsen und erst bei geringen Größen Geschlechtsreife erreichen. Das macht es umso wichtiger, dass der Rogen aus mehreren Tieren befruchtet wird, um Inzucht zu vermeiden und die genetische Vielfalt zu sichern. Glücklicherweise können die befruchteten Eier in der Fischzuchtanlage Relliehausen der Georg-August-Universität Göttingen erfolgreich erbrütet werden. Einige der erbrüteten Fische wurden bereits im Lange Teich im Forstamt Clausthal ausgesetzt, einem Gewässer, das zuvor trocken lag und fischfrei war.
Einblick in die Herausforderungen
Ehrlich gesagt, die Herausforderungen sind enorm. Die Bachforelle ist eine sensible Art, die als Bioindikator für den Zustand von Gewässern gilt. Ihre Anpassungsfähigkeit an Umwelteinflüsse macht sie zu einem wertvollen Indikator, vor allem in den Bachoberläufen. Aber was passiert, wenn diese Lebensräume weiter bedroht sind? Das bleibt abzuwarten. Weitere Befischungen zur Laichgewinnung sind bereits in Planung. Ziel ist es, die Bestände zu stärken und die wertvollen genetischen Ressourcen zu bewahren. Eine Art von Hoffnung in einer Zeit, in der das Wasser um uns herum immer wärmer wird und die Welt sich verändert.