Es ist der 15. Juli 2026, und der Klimawandel bleibt eine existenzielle Bedrohung, die uns alle betrifft. Greta Thunberg hat 2019 an die Weltöffentlichkeit appelliert, Angst zu empfinden und aktiv zu werden. Diese Angst, so zeigen wissenschaftliche Studien, kann tatsächlich eine scharfe Aufmerksamkeit erzeugen und zum Handeln motivieren. Ein Paradebeispiel dafür ist die Klimabewegung Fridays For Future, die eindrucksvoll demonstriert, wie Angst in politische Wirksamkeit umgewandelt werden kann. Doch hier ist der Haken: Dauerhafte Angst kann in Verzweiflung oder Resignation umschlagen. Und das ist definitiv keine tragfähige Basis, um den ökologischen Herausforderungen zu begegnen.

Was wir wirklich brauchen, ist praktische Hoffnung. Diese Hoffnung ist nicht einfach blinder Optimismus, sondern vielmehr eine aktive Bereitschaft zu handeln. In Afrika, wo viele Menschen bereits direkt vom Klimawandel betroffen sind, zeigt die Forschung im Hamburger Exzellenzcluster CLICCS, dass insbesondere in ländlichen Regionen Kenias und Namibias ein hohes Maß an Hoffnung herrscht. Nehmen wir Mary Achieng, eine Kleinbäuerin in Kenia, die trotz Rückschlägen immer wieder neu sät – das ist praktische Hoffnung in Aktion.

Hoffnung und Resilienz

Der Philosoph Gabriel Marcel unterscheidet zwischen „Beharrlichkeit“ und „Umorientierung“. Beharrlichkeit bedeutet, an Zielen festzuhalten, während Umorientierung einen Kurswechsel bei unerreichbaren Zielen mit sich bringt. Ein Beispiel dafür ist Khomda, ein Viehhirte in Namibia, der aufgrund des Klimawandels einen Garten anlegt. Das zeigt uns: Praktische Hoffnung verändert Wahrscheinlichkeiten, stärkt die Hoffenden und hat soziale Auswirkungen.

Anthropologische Erkenntnisse sind auch für uns hier in Deutschland von Bedeutung. Der Klimawandel wird zunehmend konkret wahrgenommen, etwa durch Hitzewellen, die uns die Auswirkungen der Erderwärmung vor Augen führen. Eine wichtige Lehre aus dieser Situation ist, dass wir die ökologischen Veränderungen in unserer Umgebung genau beobachten sollten. Hoffnungsvolles Handeln muss nicht immer spektakulär daherkommen – es können auch kleine Dinge sein wie Urban Gardening oder die Entsiegelung von Flächen. Lokale Hoffnungsprojekte sind wichtig, ersetzen jedoch nicht die Notwendigkeit einer umfassenden nationalen und internationalen Klimapolitik.

Psychische Gesundheit und Klimawandel

Die psychischen Folgen des Klimawandels sind nicht zu unterschätzen. Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse können direkte Reaktionen hervorrufen, die sich in einer erhöhten Häufigkeit und Schwere von psychischen Störungen äußern. Nach Extremwetterereignissen, wie etwa dem Hurrikan Katrina in New Orleans, berichteten bis zu 50 % der Befragten über Angst- oder depressive Symptome. Auch die Hitzewellen, die uns mittlerweile immer häufiger heimsuchen, begünstigen verstärkte Gewalt, Konflikte und sogar erhöhte Suizidraten.

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Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang oft fällt, ist „Solastalgie“. Er beschreibt die Trauer und den emotionalen Distress, die mit Veränderungen in der vertrauten Umgebung einhergehen. Die antizipative Angst vor zukünftigen Umweltveränderungen wird als „Eco-Anxiety“ bezeichnet. Diese Phänomene zeigen uns, wie eng das Thema Klimawandel mit unserer psychischen Gesundheit verknüpft ist.

Die Erkenntnisse über Hoffnung und den Umgang mit der Angst sind entscheidend. Politische Relevanz ist gegeben, wenn wir verstehen, dass gemeinschaftliches Handeln Hoffnung zurückgewinnen kann. Das Bewusstsein für größere gesellschaftliche Veränderungen wird durch lokale Aktionen geschärft. So können wir uns dem Klimawandel nicht nur mit Angst, sondern vor allem mit praktischer Hoffnung entgegenstellen.