Die Klimapolitik steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Es geht darum, den Temperaturanstieg auf maximal 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Das klingt so einfach, ist aber in der Realität ein regelrechter Drahtseilakt. Um eine 50-prozentige Chance zu haben, dieses Ziel zu erreichen, dürfte die Welt nur noch 130 Gigatonnen CO2 ausstoßen. Aktuelle Prognosen zeigen jedoch, dass dieses CO2-Budget in etwa drei bis vier Jahren aufgebraucht sein wird. Die Aussichten? Nicht gerade rosig. Selbst bei ambitionierter Klimapolitik wird ein Überschreiten der 1,5-Grad-Marke als wahrscheinlich angesehen, und das nennt man dann „Overshoot-Szenario“.

Das bedeutet nicht, dass der Klimaschutz umsonst gewesen ist. Es zeigt vielmehr, dass die Klimaziele später eingehalten werden können. Prognosen deuten darauf hin, dass die Temperatur bis Mitte des Jahrhunderts um etwa 1,8 Grad Celsius ansteigen könnte. Über die Folgen einer solchen Erhitzung kann man nur spekulieren. Einige davon könnten sogar irreversibel sein. Nach Erreichung der Klimaneutralität könnte die Temperatur stagnieren oder sogar sinken – vorausgesetzt, wir finden Wege, CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen. Und hier kommen die Technologien zur CO2-Entnahme ins Spiel. Sie stecken zwar noch in den Kinderschuhen, benötigen aber dringend Förderung.

Dringlichkeit der Maßnahmen

Die Bundesregierung hat bereits Pläne, eine Langfriststrategie für Negativemissionen zu erarbeiten, die sowohl natürliche als auch technische CO2-Speicher einbezieht. Doch das reicht nicht. Um mit den Risiken einer 1,5-Grad-Celsius-Welt umzugehen – denken wir an Wetterextreme, Naturkatastrophen und steigenden Meeresspiegel – ist mehr Klimaanpassung gefragt. Das umfasst den Bau von Dämmen, Schwammstädten und Hochwasser- sowie Hitzeschutz. Dazu kommt die Forschung zu Tropenkrankheiten, die durch den Klimawandel begünstigt werden.

Die globale Erwärmung wird voraussichtlich bis Anfang der 2030er Jahre über 1,5 °C steigen. Selbst wenn wir es schaffen, die Temperaturen irgendwann wieder auf 1,5 °C zurückzuführen, wird das nicht alle Schäden verhindern – aber die Risiken verringern. Daher ist es unerlässlich, die maximal mögliche globale Erwärmung unter 2 °C zu halten. Die Welt hat dazu das Pariser Abkommen von 2015 unterzeichnet, das langfristige Temperaturziele festlegt. Doch die Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen sind auf Rekordhöhe.

Die Herausforderungen des Overshoot

Ein Überschreiten von 1,5 °C hat große Auswirkungen auf Menschen und Ökosysteme. Hier kommt das Konzept des „Overshoot“ ins Spiel. Es ist wichtig, das Ausmaß und die Dauer des „Overshoot“ zu begrenzen, um katastrophale Folgen zu vermeiden. Um die globale Erwärmung zu senken, sind kontinuierlich netto-negative CO2-Emissionen erforderlich. Um es konkret zu machen: Eine Senkung der globalen Durchschnittstemperatur um 0,1 °C würde etwa 220 Gigatonnen netto-negative CO2-Emissionen erfordern.

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Neuartige CO2-Entnahme-Methoden wie BECCS und DACCS sind noch in der Entwicklungsphase. In den kommenden Jahren müssen wir uns ernsthaft mit den sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels auseinandersetzen, insbesondere in Regionen, die von extremen Klimaereignissen betroffen sind. Die EU steht vor der Herausforderung, sich proaktiv mit den Folgen des Overshoot-Konzepts auseinanderzusetzen. Eine Diskussion über globale Lastenteilung und Verantwortung für netto-negative Emissionen ist dringend notwendig.

Verpflichtungen und Fortschritte

Das Übereinkommen von Paris verpflichtet alle Vertragsstaaten zur konsequenten Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Jeder Staat muss ab 2020 alle fünf Jahre neue, ambitionierte Pläne nationaler Klimaschutzbeiträge (NDCs) vorlegen. Diese Pläne sollen dem Langfristziel dienen und müssen zunehmend ehrgeiziger werden. Doch der UNEP Emissions Gap Report zeigt, dass die bisherigen NDCs nicht ausreichen, um die Erwärmung auf unter 2 °C zu begrenzen.

Die Erfüllung der nationalen Klimaschutzbeiträge wird regelmäßig überprüft, allerdings gibt es keine Sanktionsmechanismen bei Nichteinhaltung der selbstgesetzten Ziele. Das macht die Sache nicht einfacher, denn Versuche, solche Mechanismen zu etablieren, sind gescheitert. Das führt uns zu der Frage: Wie weit sind wir wirklich bereit zu gehen, um unsere eigenen Klimaziele zu erreichen? Die Zeit drängt, und das Gefühl, dass wir uns in einem Wettlauf gegen die Zeit befinden, wird immer intensiver.