In den letzten Jahren hat sich China entschieden, eine aktivere Rolle in der globalen Klimapolitik einzunehmen. Dies wurde besonders im neuen 15. Fünfjahresplan deutlich, in dem das Land ambitionierte Klimaziele festhält. Angesichts des Rückzugs der USA aus dem Pariser Klimaabkommen und der nachlassenden Unterstützung in Europa strebt China an, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Zwei zentrale Ziele stehen im Fokus: Die Reduktion der CO2-Emissionen pro Wirtschaftsleistung um 17 Prozent in den nächsten fünf Jahren und die Erhöhung des Anteils nicht-fossiler Energiequellen am Energieverbrauch von 20 auf 25 Prozent bis 2030.
Diese Ziele sind jedoch nicht ohne Herausforderungen. Während China plant, seine maximalen CO2-Emissionen bis 2030 zu erreichen, hinken die Fortschritte im Vergleich zu Europa und den USA hinterher, die bereits fallende CO2-Emissionen verzeichnen. Chinas Präsident Xi Jinping hat am 26. September 2025 in einer Videoansprache an die Vereinten Nationen neue Klimaziele vorgestellt, die eine Senkung der gesamtwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen bis 2035 um 7 bis 10 Prozent im Vergleich zu Höchstwerten vorsehen. Dies ist das erste Mal, dass China ein solches Zwischenziel bekanntgibt, und Klimaforscher äußern Bedenken, dass dieses Ziel nicht ausreichend ist, um den Anforderungen des Pariser Abkommens gerecht zu werden.
Die Herausforderung der Emissionsreduktion
Eine Analyse des Klimaanalysten Lauri Myllyvirta zeigt, dass eine Reduzierung von mindestens 20 Prozent notwendig wäre, um das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen; für das 1,5-Grad-Ziel wären sogar 30 Prozent erforderlich. Hierbei muss zudem berücksichtigt werden, dass China der größte CO2-Emittent der Welt ist und einen höheren Pro-Kopf-Ausstoß als die EU aufweist. Die Herausforderung für das Land besteht darin, den wachsenden Energiebedarf mit einer Reduzierung der Emissionen in Einklang zu bringen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, investiert China stark in grüne Energien und ist führend in der Installation von Solar- und Windkraftanlagen. Bis 2035 plant das Land, die Kapazität an Wind- und Sonnenenergie auf 3600 Gigawatt zu erhöhen, was sechsmal mehr ist als im Jahr 2020. Dennoch erzeugt China nach wie vor rund die Hälfte seines Stroms aus Kohle und plant den Bau neuer Kohlekraftwerke, um Schwankungen bei Solar- und Windenergie auszugleichen.
Ein Wendepunkt in der Klimapolitik?
Die angestrebte Klimaneutralität bis 2060 wird als herausfordernd angesehen, insbesondere wenn im ersten Jahrzehnt nur eine Reduktion von 7 bis 10 Prozent der Emissionen angestrebt wird. Die neuen Klimaziele werden als zentral für die globale Klimapolitik betrachtet. Germanwatch bezeichnet Xis Ankündigung als „qualitativen Wendepunkt“ in der Klimapolitik Chinas, während andere Stimmen, wie die von CREA, die geplante Senkung der Treibhausgase als ungenügend kritisieren.
Die internationale Gemeinschaft wird die Entwicklung in China genau beobachten, denn die Strategien des Landes haben erhebliche Auswirkungen auf das globale Klima. Xi Jinping hat in seiner Ansprache betont, dass ein „grüner und kohlenstoffarmer Wandel“ notwendig sei, und dabei auf die Verpflichtungen anderer Länder hingewiesen, insbesondere auf die der USA, die unter dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump den Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen vollzogen haben.
Insgesamt bleibt abzuwarten, ob China die ambitionierten Klimaziele tatsächlich umsetzen kann und ob diese Maßnahmen ausreichen, um die globalen Klimaziele zu erreichen. Der Weg zur Klimaneutralität ist lang und steinig, aber die ersten Schritte sind gesetzt.