Liebig Centre: Hessens Hoffnungsträger für die Landwirtschaft im Klimawandel
Der Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Klimaforschung zeigt, dass es in Hessen richtig spannend wird. Besonders das Liebig Centre in Gießen hat sich als ein Zentrum für innovative Forschung etabliert. Christoph Müller und Marc Schetelig, beide Professoren an der Universität Gießen, haben die Initiative 2019 ins Leben gerufen und sind seitdem ganz vorne mit dabei, wenn es um die Erforschung der Klimafolgen geht. Das Liebig Centre, als erstes UN-Institut für Klimafolgenforschung an einer deutschen Hochschule, hat sich zum Ziel gesetzt, die Auswirkungen des Klimawandels auf Agrarökosysteme zu untersuchen und nachhaltige Strategien zu entwickeln.
Doch die Finanzierung ihrer Arbeit war lange Zeit ein wackeliges Thema. Bisher wurde das Liebig Centre größtenteils vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie unterstützt. In diesem Jahr gab es jedoch Engpässe, die das Landesamt in der Kassenlage spüren musste. Glücklicherweise zeichnet sich eine Lösung ab: Das Landwirtschafts- und Umweltministerium hat versprochen, die Finanzierung mit jährlich rund 100.000 Euro zu sichern. Müller zeigte sich sichtlich erleichtert über diese Unterstützung, die just rechtzeitig vor dem Tag der offenen Tür kam. Ein echter Lichtblick für die Forscher!
Ein Ort der Hoffnung
Rita Schwarzelühr-Sutter, die den Standort besucht hat, bezeichnete das Liebig Centre als „Ort der Hoffnung“. Und das ist nicht übertrieben! Die Klimaforschungsanlage, die seit 1998 besteht, ist weltweit einzigartig. Hier werden Umweltbedingungen simuliert, die Pflanzen im Jahr 2050 erwarten – ganz schön futuristisch, oder? Die Forscher untersuchen unter anderem, wie zusätzliches Kohlendioxid das Pflanzenwachstum beeinflusst und welche Auswirkungen das auf das Leben im Boden hat. Dabei kommen auch stabile Isotope zum Einsatz, um die Güte des Bodens zu verbessern. Die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde, die seit zehn Jahren besteht, zeigt, wie ernst die Forscher ihre Mission nehmen.
Die Auenwiesen, auf denen die Anlage eingerichtet ist, wurden seit Jahrzehnten nicht gedüngt. Das macht sie zu einem einzigartigen Forschungsfeld. Doch die Ergebnisse sind gemischt: Zwar zeigt die Forschung, dass steigende Kohlendioxidwerte das Pflanzenwachstum ankurbeln, allerdings leidet darunter die Qualität der Pflanzen. Und das ist nicht zu vernachlässigen, denn mehr Kohlenstoffaufnahme bedeutet auch mehr Lachgasabgabe – ein klimaschädliches Gas, das 300-mal schädlicher als Kohlendioxid ist. Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt!
Ein internationales Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft
Im Jahr 2025 wurde das Liebig Centre offiziell gegründet. Unterzeichnet wurde die Vereinbarung zwischen der JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz und Dr. Najat Mokhtar im Rahmen eines Online-Meetings. Der Fokus des Zentrums liegt klar auf den Auswirkungen des Klimawandels auf landwirtschaftliche Ökosysteme und darauf, wie man innovative Strategien für eine nachhaltige Landwirtschaft entwickeln kann. Die Initiative „Atoms4Food“ ist ein Beispiel, das sich mit der Verbesserung der Ernährungssicherheit und der Reduzierung von Nahrungsmittelverlusten beschäftigt. Hier wird Hand in Hand gearbeitet, um Lösungen für über 180 UN-Mitgliedsstaaten zu entwickeln.
Das Institut für Pflanzenökologie, unter Leitung von Prof. Dr. Christoph Müller, betreibt eines der ältesten FACE-Systeme zur Untersuchung von CO₂-Effekten auf Ökosysteme. Langzeitdaten seit den 1990er-Jahren liefern wertvolle Erkenntnisse zur Bewertung von Klimafolgen und der Entwicklung klimafester Landnutzungssysteme. Das alles geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Joint FAO/IAEA Centre of Nuclear Techniques in Food and Agriculture.
Innovative Ansätze für den Pflanzenschutz
Das Institut für Insektenbiotechnologie, geleitet von Prof. Dr. Marc Schetelig, erweitert die agrarökologische Forschung mit innovativen biologischen und biotechnologischen Verfahren zur Bekämpfung invasiver Schadinsekten. Die Sterile Insektentechnik (SIT) ist hier ein Schlüsselansatz, der ohne den Einsatz von Pestiziden auskommt und dennoch einen nachhaltigen Pflanzenschutz gewährleistet. Das klingt nicht nur vielversprechend, sondern ist auch dringend nötig in einer Zeit, in der die Herausforderungen für die Landwirtschaft immer größer werden.
Die Eröffnung des Liebig Centre for Agroecology and Climate Impact Research am 12. Mai 2026 stellt einen weiteren Meilenstein dar. Dieses internationale Kooperationszentrum wird zur Plattform für den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse und zur Unterstützung von UN-Forschungsprogrammen. Es ist das erste Zentrum in Deutschland, das mit der Internationalen Atomenergie-Organisation zusammenarbeitet, und es zeigt, wie wichtig die Verknüpfung von Forschung und Anwendung ist.
Justus Liebig, nach dem das Zentrum benannt wurde, war ein Pionier der Agrarwissenschaften im 19. Jahrhundert. Sein Erbe lebt hier weiter, und die Forschung, die in Gießen betrieben wird, könnte entscheidend für die Zukunft der Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels sein. Die Herausforderungen sind groß, aber die Ansätze, die hier verfolgt werden, geben Hoffnung für eine nachhaltige und klimafreundliche Landwirtschaft.
