Im April 2026 schlug eine Forschungsgruppe vor, das sogenannte „Worst-Case-Szenario“ für den bevorstehenden Weltklima-Bericht etwas abzuschwächen. Das hat im Netz für ordentlich Wirbel gesorgt. Einige Klimaforscher wurden online als Irrläufer bezeichnet, ohne dass die Gründe für diese Neubewertung genau erklärt wurden. Das brachte die Debatte um das Worst-Case-Szenario, das ursprünglich einen Temperaturanstieg von bis zu 4,8 Grad bis zum Jahr 2100 prognostizierte, richtig ins Rollen.

Ende Mai gab es dann in einer Bundestagsdebatte einen Auftritt von Karsten Hilse von der AfD. Er behauptete, der Weltklimarat würde das schlimmste Klimaszenario zurückziehen. „Horrorszenario“, nannte er es, und fügte hinzu, es sei nie plausibel gewesen. Merkwürdigerweise erinnerte das an die Aussagen der US-Regierung unter Donald Trump, die ebenfalls das Szenario als falsch bezeichnete. Dabei ist der Weltklimarat (IPCC) nicht für das Erstellen oder Zurückziehen von Klimaszenarien zuständig. Vielmehr bewertet er relevante Literatur. Für die Aktualisierung der Klimaszenarien ist das ScenarioMIP-Team innerhalb des Weltklimaforschungsprogramms verantwortlich.

Neue Erkenntnisse und alte Sorgen

Im April 2026 veröffentlichte dieses Team ein neues Set an Szenarien, das auch eine Anpassung des Worst-Case-Szenarios umfasst. Das neue Szenario geht von einer Erderwärmung von etwa 3,5 Grad aus. Und auch wenn das weniger dramatisch klingt als die ursprünglichen 4,8 Grad, betonen Fachleute, dass dies dennoch zu schweren Klimaauswirkungen führen kann. Niklas Höhne und Gerrit Lohmann kritisieren die politische Instrumentalisierung dieser Debatte. „Klimaszenarien sind keine Prognosen“, mahnen sie, „sondern beschreiben mögliche Entwicklungen unter bestimmten Bedingungen.“ Das ist wichtig zu verstehen, denn das alte Worst-Case-Szenario war zum Zeitpunkt seiner Entwicklung durchaus plausibel.

Ursprünglich wurde RCP8.5, das alte Worst-Case-Szenario, vor dem Pariser Klimaabkommen 2015 entwickelt, das eine Senkung der Emissionen beschloss. Doch das ScenarioMIP-Team hat mittlerweile das alte Szenario als unplausibel eingestuft – und zwar aufgrund der Fortschritte im Klimaschutz. Gleichzeitig wird das Best-Case-Szenario aufgrund steigender Emissionen vorerst als nicht mehr möglich angesehen. Aktuelle Klimaschutzmaßnahmen könnten eine Erwärmung von etwa 2,6 bis 2,8 Grad bis 2100 zur Folge haben. Das lässt einen schon ein wenig unruhig werden.

Politische Debatten und wissenschaftliche Fakten

In Deutschland wird über die Emissionsszenarien RCP8.5 und SSP5-8.5 diskutiert. Diese beschreiben eine Welt, die stark erhitzt wird, mit zunehmenden Treibhausgas-Emissionen. Bisher waren diese Szenarien vor allem den Klimaforschern bekannt. Doch die Debatte ist nun auch in den Bundestag gelangt, wo die AfD eine Aktuelle Stunde dazu ansetzte. Man fragt sich: Wo bleibt die sachliche Auseinandersetzung? Stattdessen scheinen einige Akteure mehr an der politischen Bühne interessiert zu sein als an den wissenschaftlichen Grundlagen.

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Fortschritte bei der Anpassungsplanung und -umsetzung sind in vielen Sektoren und Regionen der Welt sichtbar. Mindestens 170 Länder und zahlreiche Städte haben Strategien zur Anpassung und Minderung in ihre Klimapolitik integriert. Doch diese Fortschritte sind ungleichmäßig und oft lückenhaft verteilt. Viele Initiativen konzentrieren sich auf kurzfristige Maßnahmen zur Verringerung spezifischer Klimarisiken, was die transformative Anpassung einschränkt. Eine Tatsache, die uns alle betrifft – denn die Umsetzungslücken zwischen dem aktuellen Anpassungsniveau und dem, was tatsächlich notwendig wäre, sind alarmierend.

Die Herausforderung ist also groß. Langsame Anpassungsplanung könnte die bestehenden Missverhältnisse weiter vergrößern. Ein tiefgreifendes Umdenken ist gefragt: Langfristige Planung und schnelle Umsetzung sind unerlässlich, um die Lücken zu schließen. Ohne eine echte Transformation des Energiesystems und das Ende von Subventionen für fossile Brennstoffe werden wir es schwer haben, die Klimaziele zu erreichen.