Die Wälder Tirols spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Als immense Kohlenstoffspeicher sind sie für die Regulierung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre von großer Bedeutung. Doch die Auswirkungen der Klimakrise auf diese natürlichen Speicher sind noch immer unklar. Ein internationales Forschungsteam, darunter Wissenschaftler des BFW und der Universität Wien, hat über zwei Jahrzehnte hinweg den Waldboden eines Bergwaldes in Achenkirch, in den Nördlichen Kalkalpen, untersucht. Die Ergebnisse sind sowohl aufschlussreich als auch besorgniserregend.
Die Studie hat gezeigt, dass die CO2-Abgabe des Bodens kontinuierlich um etwa 13 Prozent pro Grad Celsius Erwärmung ansteigt. Dies deutet darauf hin, dass sich die Kohlenstoffspeicher destabilisieren könnten, was zu einer vermehrten Freisetzung von CO2 führen kann. Interessanterweise nahmen die Kohlenstoffvorräte im Boden jedoch weniger stark ab als erwartet. Mögliche Ursachen dafür könnten die Reaktionen der Baumwurzeln auf wärmere Temperaturen sein, die zu einer vermehrten Produktion von Feinwurzeln führen. Diese Feinwurzeln erneuern sich schneller und geben mehr Kohlenstoffverbindungen in den Boden ab.
Die Rolle der Mykorrhiza-Pilze
Eine zweite Studie im Rahmen des Projekts beleuchtet die Rolle von Mykorrhiza-Pilzen, die sensibel auf steigende Temperaturen reagieren. Während die Gesamtmenge und die Zahl der Zersetzerpilze abnahmen, profitierten die Mykorrhiza-Pilze von dem Nährstoffmangel in wärmeren Böden. Sie beziehen Kohlenstoff direkt aus den Baumwurzeln und tragen somit zum Aufbau von Bodenkohlenstoff bei. Dies könnte entscheidend für die Erhaltung der Kohlenstoffspeicher unter den Bedingungen des Klimawandels sein.
Doch die Mykorrhiza-Pilze sind nicht nur wichtig für die Ökologie der Wälder, sie könnten auch eine Rolle in der nachhaltigen Wirtschaft spielen. Pilzmyzel wird zunehmend als natürlicher und vielseitiger Rohstoff betrachtet, der erdölbasierte Produkte ersetzen könnte. Die Zucht von Pilzmyzel erfolgt in Fermentationstanks und nutzt Abfälle aus der regionalen Land- und Forstwirtschaft, wie Stroh, Sägemehl oder Kartoffelschalen.
Nachhaltige Produkte aus Pilzmyzel
Aus Pilzmyzel lassen sich verschiedene Produkte entwickeln, darunter Dämmmaterialien als Styroporersatz, Verpackungen und sogar Lederersatzprodukte. Diese Produkte sind biologisch abbaubar und zeichnen sich durch eine ressourcenschonende und energiearme Herstellung aus. Zudem gilt Pilzmyzel als guter Fleischersatz, da es reich an Umami ist und eine fleischähnliche Konsistenz aufweist. Ob fest, weich oder flexibel – die Eigenschaften der Produkte können je nach Kulturbedingungen variieren.
Die Erkenntnisse dieser Studien zeigen, wie komplex die Wechselwirkungen zwischen Klimawandel, Waldböden und Mykorrhiza-Pilzen sind. Sie machen deutlich, dass wir nicht nur die Wälder schützen, sondern auch innovative Wege finden müssen, um die Ressourcen der Natur nachhaltig zu nutzen. Die Verbindung von Ökologie und nachhaltiger Wirtschaft könnte der Schlüssel sein, um den Herausforderungen der Klimaerwärmung zu begegnen.