Klimaerwärmung – ein Wort, das uns alle in seinen Bann zieht und gleichzeitig besorgt. Die Gletscher schmelzen, und mit ihnen verschwindet ein Stück unserer natürlichen Schönheit und ein bedeutender Teil unseres Lebens. Man kann sich kaum vorstellen, was es bedeutet, wenn die beeindruckenden Eismassen, die jahrhundertelang die Landschaft geprägt haben, plötzlich nicht mehr da sind. In der Schweiz schmelzen die Gletscher sogar schneller als im globalen Durchschnitt. Eine Temperatursteigerung von 2 Grad Celsius seit den 1980er Jahren hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Folgen sind weitreichend, und die beiden neuen Bücher von Daniel Schwartz und Marcel Hänggi stellen diese eindrücklich dar.

Schwartz, ein Fotograf, der bereits Gletscher auf vier Kontinenten dokumentiert hat, beschreibt sie als „einfrierbare und gefrorene Zeit“. Am 27. Mai 2025 hielt er den Birchgletscher im Lötschental fest – nur einen Tag bevor er ins Rutschen kam und das Dorf Blatten unter einer Lawine aus Schutt und Eis begrub. Der Verlust dieser Gletscher hat nicht nur Auswirkungen auf die Schönheit der Natur, sondern auch auf unsere Wasserversorgung, die Energiesicherheit und die Siedlungsgebiete. In einem anderen Buch thematisiert Hänggi den emotionalen Verlust, der mit dem Verschwinden der Gletscher einhergeht. Er warnt davor, dass bis 2100 die Gletscher der Alpen verschwinden könnten und damit das Bild der Alpen als Heimat unwiderruflich verändert würde.

Die Dimension des Schmelzens

Das ist nicht nur ein Problem für die Schweiz. Weltweit gibt es über 275.000 Gletscher, die durch den Klimawandel stark gefährdet sind. Laut einer Studie der Universität Zürich haben diese seit 2000 jährlich etwa 273 Milliarden Tonnen Eis verloren. 2024 war das ein besonders schlimmes Jahr – es schmolzen 450 Milliarden Tonnen Eis, das viertschlimmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Um das in Perspektive zu setzen: Seit 1975 sind mehr als 9.000 Milliarden Tonnen Eis verschwunden, ein Volumen, das einen Eisblock von 25 Metern Dicke in der Größe Deutschlands entspricht. Besonders betroffen sind die Anden, der Himalaya und die Alpen, wo Gletscher in den letzten 40 Jahren um 30 bis 50 Prozent geschmolzen sind.

Die Folgen der Gletscherschmelze sind vielfältig. Sie hat nicht nur Auswirkungen auf den Meeresspiegel, sondern auch auf unsere Wasserversorgung und die biologischen Ökosysteme. Gletscher speichern etwa 70 Prozent des globalen Frischwassers, und über drei Milliarden Menschen sind auf das Schmelzwasser angewiesen. Das ist eine dramatische Abhängigkeit, die uns vor große Herausforderungen stellt. Außerdem destabilisiert der Rückgang der Gletscher das Klima in den betroffenen Regionen und gefährdet die vielfältigen Lebensräume.

Der Mensch und die Gletscher

Es ist nicht nur das Wasser, das uns fehlt, wenn die Gletscher verschwinden. Der neue Weltwasserbericht der UN und UNESCO wird am 21. März veröffentlicht und warnt vor den Folgen des Klimawandels für Gebirgsökosysteme. Ulla Burchardt von der Deutschen UNESCO-Kommission betont, dass Gebirge oft politisch vernachlässigt werden, obwohl sie entscheidend für Trinkwasserversorgung, Nahrungs- und Energiesicherheit sind. Flüsse in Deutschland werden durch das Verschwinden der Alpengletscher weniger Wasser führen, was sich auf die gesamte Region auswirken wird. Und die Zukunft sieht düster aus: Jeder Millimeter Anstieg des Meeresspiegels setzt 200.000 bis 300.000 Menschen in Küstenregionen zusätzlichen Überschwemmungen aus.

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Die Gletscher sind mehr als nur riesige Eisflächen. Sie sind Zeitzeugen, die Geschichten erzählen und über den Zustand unseres Planeten Auskunft geben. Es ist wichtig, dass wir über den rein ökonomischen Aspekt hinausblicken und die emotionale Dimension der Landschaften in den Fokus rücken. Denn ohne sofortige Maßnahmen wird der Gletscherrückgang weitergehen. Doch wir haben noch die Chance, mit konsequentem Klimaschutz den Verlust zu verlangsamen.

2025 wurde zum Internationalen Jahr des Gletscherschutzes erklärt. Forscher hoffen auf mehr Investitionen in die Gletscherüberwachung und die Schaffung robuster Wasserversorgungssysteme in Bergregionen. Es ist eine Herausforderung, die uns alle angeht – und wir müssen gemeinsam Lösungen finden, um diese wertvollen Wasserquellen zu schützen.