Die Klimaerwärmung hat uns fest im Griff. Weltweit steigen die Temperaturen, das ist unübersehbar. Aber – und das ist das Besondere – es gibt einen einzigen Ort auf der Erde, der sich seit über 100 Jahren kühlt. Ja, richtig gelesen! Ein Gebiet im Nordatlantik, südlich von Grönland und Island, ist als „Kaltfleck“ oder „Cold Blob“ bekannt. Hier scheint die Zeit für die Erwärmung stillzustehen, während der Rest der Welt sich immer weiter aufheizt.

Die Wissenschaftler sind sich einig, dass dieses merkwürdige Phänomen eng mit der Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation (Amoc) verbunden ist. Diese Zirkulation transportiert warmes Wasser aus den Tropen in den Nordatlantik und sorgt für die milden Winter, die wir in Europa so schätzen. Aber was passiert, wenn diese Zirkulation ins Stocken gerät? Klimaforscher wie Stefan Rahmstorf und Michael Mann haben bereits 2015 darauf hingewiesen, dass die Abkühlung des Kaltflecks möglicherweise mit einer nachlassenden Stärke der Amoc zusammenhängt. Und das ist alles andere als beruhigend.

Der Kaltfleck und die Amoc

Rahmstorf und sein Team haben Messungen von Bojen, Schiffen und Satelliten ausgewertet und diese mit Klimamodellen kombiniert. Ihre Erkenntnisse zeigen, dass die niedrigeren Temperaturen nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in große Tiefen reichen. Interessanterweise spielen atmosphärische Einflüsse dabei eine eher geringe Rolle. Stattdessen deutet alles darauf hin, dass ein veränderter Wärmetransport im Ozean der Hauptgrund ist.

Das Abschmelzen von Eis in Grönland und der Arktis trägt zur Problematik bei. Mehr Süßwasser im Nordatlantik verringert den Salzgehalt, was die Zirkulation weiter verlangsamt. Rekonstruktionen zeigen, dass die Amoc heute möglicherweise so schwach ist wie seit 1000 Jahren nicht mehr. Eine Untersuchung von Valentin Portmann von der Universität Bordeaux prognostiziert, dass die Strömung bis 2100 um 42 bis 58 Prozent schwächer werden könnte. Was bedeutet das für uns? Kältere Winter in Europa, beschleunigter Meeresspiegelanstieg an der Ostküste der USA und Veränderungen der Monsunsysteme in Westafrika sind nur einige der möglichen Folgen.

Droht der Zusammenbruch?

Und hier wird es richtig gruselig: Eine neue Studie zeigt, dass die Amoc in Szenarien mit hohen Treibhausgasemissionen nach 2100 möglicherweise zusammenbrechen könnte. Sybren Drijfhout vom Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut ist der Hauptautor dieser Untersuchung. Wenn die Amoc wirklich kollabiert, könnte das den Wärmetransport des atlantischen Ozeans unterbrechen. Das würde nicht nur zu extremeren Wintern in Nordwesteuropa führen, sondern auch die tropischen Regenzonen verschieben. Die winterliche Konvektion in der Labradorsee, dem Irminger See und den Nordischen Meeren könnte der entscheidende Kipppunkt sein.

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Es wird sogar prognostiziert, dass die Wärmemenge, die der Ozean im äußersten Norden des Atlantiks abgibt, auf weniger als 20% des heutigen Wertes sinken könnte. Dabei zeigen aktuelle Beobachtungsdaten bereits abnehmende Trends bei der winterlichen Konvektion in den letzten fünf bis zehn Jahren. Die Modelle deuten darauf hin, dass ein drastischer Rückgang der Amoc gravierende weltweite Folgen haben könnte.

Was bleibt uns da noch zu tun? Die Emissionen müssen schnell gesenkt werden, um das Risiko eines AMOC-Zusammenbruchs zu verringern. Es ist eine dringende Angelegenheit, die uns alle angeht. Denn die Zukunft unseres Klimas hängt am seidenen Faden und wir müssen aufpassen, dass dieser Faden nicht reißt.