Kühlen Kopf bewahren: So beeinflusst die Klimaanlage die Reichweite deines E-Autos im Sommer
Die Sommerhitze hat uns fest im Griff, und während die Sonne unbarmherzig auf die Straßen brennt, fragt sich so mancher E-Auto-Besitzer: Wie lange hält die Klimaanlage eigentlich durch? Besonders im Stau wird das Fahren ohne kühlenden Luftzug zur echten Herausforderung. Wenn der Verkehr zum Stillstand kommt und die Innenräume der Elektroautos sich in kleine Backöfen verwandeln, wird es Zeit, einen Blick auf die Auswirkungen des Klimaanlagenbetriebs auf die Reichweite zu werfen.
Ein Fakt, der uns ins Auge springt: Elektromotoren haben nicht die wohltuende Eigenschaft, warme Abluft zu erzeugen, wie wir es von den alten Verbrennern gewohnt sind. Das bedeutet, um im Winter die Kabine zu heizen, wird zusätzliche Energie benötigt – ein wahrer Energiefresser! Aber zurück zum Sommer. Die Klimaanlage kann auch bei niedrigem Akkustand die Fahrerkabine über Stunden angenehm kühl halten. Das klingt nach einem Traum, hat aber seinen Preis. Der Betrieb der Klimaanlage beeinflusst den Akkustand und somit die Reichweite des E-Autos. Gar nicht so unbedeutend, wenn man bedenkt, wie wir bei Außentemperaturen jenseits der 30 Grad ins Schwitzen kommen.
Energieverbrauch und Reichweitenverlust
Die Außentemperatur hat einen direkten Einfluss auf den Energieverbrauch der Klimaanlage. Grobe Richtwerte zeigen, dass bei 25 °C Außentemperatur und einer Innentemperatur von 20 °C ein Verbrauch von 0,5 bis 1,0 kWh pro 100 km zu erwarten ist. Steigt die Außentemperatur über 30 °C, kann der Verbrauch auf 1,0 bis 2,0 kWh pro 100 km ansteigen. Aber wie schaut das konkret in der Praxis aus? Nehmen wir mal drei beliebte E-Autos unter die Lupe.
- Tesla Model 3 Long Range: Verbrauch von 14,8 kWh/100 km. Bei 25 °C verlieren wir 3,4 km Reichweite pro 100 km. Bei über 30 °C sind es sogar bis zu 13,5 km.
- Volkswagen ID.3 Pro Performance: Hier liegt der Verbrauch bei 15,4 kWh/100 km. Auch hier sehen wir bei 25 °C einen Verlust von 3,2 km Reichweite und bis zu 13 km bei über 30 °C.
- Renault Zoe Z.E. 50: Mit einem Verbrauch von 17,4 kWh/100 km sind es bei 25 °C 2,9 km Reichweite weniger und bei über 30 °C rund 11,5 km.
Der TÜV Süd schätzt, dass Klimaanlagen bis zu 15 Prozent der Reichweite kosten können! Und das ist noch nicht alles. Der ADAC hat den Energieverbrauch der Klimaanlagen bei hohen Temperaturen genauer unter die Lupe genommen. In einem Test mit einem Tesla Model Y wurde festgestellt, dass die Klimaanlage bei 35 °C Innentemperatur und Einstellung auf 20 °C zwischen 1,3 und 1,5 kW verbraucht. Nach acht Stunden Betrieb summierte sich der Gesamtverbrauch auf 12 kWh, was einem Verlust von 16 % Akkustand oder etwa 64 km Reichweite entspricht. Ziemlich heftig, oder?
Tipps für den sparsamen Klimaanlageneinsatz
Die gute Nachricht: Es gibt Tricks, um die Reichweite nicht unnötig zu schmälern. Zum Beispiel kann man das E-Auto an der Ladesäule vorheizen oder vorkühlen. So bleibt der Akku während der Fahrt geschont. Wenn das Auto bereits aufgeheizt ist, helfen geöffnete Fenster und Türen, um die Hitze rasch entweichen zu lassen – ein kleiner, aber feiner Trick! Und ja, E-Autos können in kritischen Situationen in den Stromsparmodus wechseln, was auch die Klimaanlage betrifft. So bleibt man im Stau cool, ohne dass der Akku gleich auf die Reserve geht.
Ein Blick zurück auf die Pfingstferien, als Urlauber auf der A10 Tauernautobahn über fünf Stunden im Stau standen. Da fragt man sich schon, ob der Einsatz der Klimaanlage in solchen Situationen wirklich die Reichweite des E-Autos so stark beeinträchtigt. Tatsächlich zeigt sich, dass die Klimaanlage im Sommerstau kaum Einfluss auf die Reichweite hat. Weniger als zehn Kilometer werden pro Stunde „geopfert“. Ein Vergleich zu Verbrennerfahrzeugen ist ebenfalls interessant: Hier liegt der Energieverbrauch mit laufender Klimaanlage bei 1 bis 1,5 Litern Kraftstoff pro Stunde, was 10 bis 15 kWh entspricht. Ein gewaltiger Unterschied!
Am Ende bleibt festzuhalten, dass die Klimaanlage in Elektroautos zwar Energie zieht, jedoch nicht so dramatisch, wie man vielleicht annehmen könnte. Mit ein wenig Planung und dem richtigen Einsatz kann man auch an heißen Sommertagen entspannt ans Ziel kommen – gut gekühlt und ohne schmelzende Akkus!
