Heute ist der 17.07.2026, und während wir in Deutschland die Sommerhitze genießen, wird in München ein ganz besonderer Geburtstag gefeiert. Wolfgang Behringer, ein herausragender Historiker, wird 70 Jahre alt. Und wie könnte es passender sein, als dass an diesem Tag eine Höchsttemperatur von 27 Grad prognostiziert wird? Behringers Werk hat nicht nur die Geschichtswissenschaft geprägt, sondern auch einige überraschende Verbindungen zwischen Hexenverfolgungen und Klimaveränderungen aufgezeigt. Ein Grund mehr, sich mit seinem Lebenswerk auseinanderzusetzen!

Behringer promovierte 1985 an der Universität München mit seiner Dissertation „Hexenverfolgung in Bayern – Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der frühen Neuzeit“. Diese Arbeit wurde im Jahr 1997 auch in englischer Sprache von Cambridge University Press veröffentlicht. Er beleuchtet damit die komplexen Zusammenhänge zwischen Politik, Religion und Recht, und seine Methodik war bahnbrechend. Behringer erfasste alle Hexenprozesse in Bayern und lieferte eine statistische Grundlage, die für die Geschichtswissenschaft von zentraler Bedeutung ist. Er wagte es, einfache Erklärungen zu kritisieren und stellte fest, dass die Hexenverfolgung oft mit einem Konflikt zwischen radikalen „Zelanten“ und moderaten Politikern innerhalb der bayerischen Verwaltung verbunden war.

Ein Blick auf die Hexenverfolgung

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden in Europa schätzungsweise 40.000 bis 60.000 Menschen als Hexen verfolgt und hingerichtet. Die Ursachen dafür sind vielfältig, und es zeigt sich, dass das Zusammenspiel von kirchlicher Legitimation und staatlicher Machtausübung eine zentrale Rolle spielte. Während die Kirche oft als Hauptverantwortliche für die Hexenverfolgungen gesehen wird, ist die Realität vielschichtiger. Die „Hexenbulle“ von Papst Innozenz VIII. aus dem Jahr 1484, die die Existenz von Hexen erklärte und ihre Verfolgung forderte, ist tatsächlich nur ein Teil des Puzzles.

Die Rolle der weltlichen Gerichtsbarkeit war ebenso entscheidend. Sondergerichte und Landesherren führten Hexenprozesse durch, oft um Abweichler zu verfolgen. In Bamberg beispielsweise wurden Hunderte Todesurteile gefällt. Die juristische Umsetzung variierte stark und hing oft vom Druck der Bevölkerung ab, der in Zeiten von Missernten und Hunger, wie während der „Kleinen Eiszeit“, besonders hoch war. Extreme Wetterphänomene führten zu Ernteausfällen, und die Menschen suchten nach Sündenböcken. Hexen wurden oft in diesem Kontext als die Verantwortlichen für ihre Nöte angesehen.

Klimawandel und Hexenverfolgung

Behringer hat in seinen Arbeiten eine Verbindung zwischen Klimageschichte und Hexenverfolgung hergestellt. In seiner Kulturgeschichte des Klimas, veröffentlicht 2007, zeigt er auf, wie dörflicher Verfolgungsdruck mit schlechten Ernten während der „Kleinen Eiszeit“ verknüpft war. Sein Buch „Tambora und das Jahr ohne Sommer“ von 2015 thematisiert die globalen Folgen des Vulkanausbruchs von 1815 und macht deutlich, dass Klimaereignisse nicht nur Naturphänomene sind, sondern tiefgreifende soziale und kulturelle Auswirkungen haben können.

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Die Kritiken an Behringers Arbeiten beziehen sich häufig auf seine Erzählkonzepte und die vermeintliche Verbindung zwischen Temperaturveränderungen und Hexenverfolgung. Dennoch zeigt er mit Optimismus auf, dass die Erwärmung auch positive Auswirkungen auf die Menschheit haben kann. Eine bemerkenswerte Perspektive, gerade in Zeiten, in denen Klimawandel und soziale Spannungen immer wieder zur Diskussion stehen.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die menschliche Geschichte durch ein komplexes Netz von Faktoren geprägt ist. Klimawandel, soziale Strukturen, Glaubenssysteme – all diese Elemente sind miteinander verwoben. Behringers Lebenswerk lässt uns nicht nur die Vergangenheit besser verstehen, sondern regt auch dazu an, über die Gegenwart nachzudenken. Und während wir uns heute über die sommerlichen Temperaturen freuen, können wir nicht anders, als an die Geschichten und Lektionen zu denken, die uns die Geschichte lehrt.