Die Grundschleppnetz-Fischerei ist eine Methode, die nicht nur das Meer, sondern auch das Klima in eine prekäre Lage bringt. Diese Fischereimethode, die Netze über den Meeresboden schleift, hinterlässt verheerende Spuren, insbesondere in Schutzzonen Europas. Eine alarmierende Studie aus den USA und Kanada hat nun die ökologischen und ökonomischen Kosten dieser Praxis aufgedeckt. Jährlich verursacht die Grundschleppnetz-Fischerei in den europäischen Gewässern Kosten von bis zu 16 Milliarden Euro für die Gesellschaft, während die Netto-Gewinne der Fischerei auf lediglich etwa 180 Millionen Euro pro Jahr geschätzt werden. Das bedeutet, dass die ökonomischen Kosten die Gewinne um das 12- bis 90-Fache übersteigen.
Der Hauptverursacher dieses Schadens sind die enormen Kohlendioxidemissionen, die durch das Aufwühlen des Sediments freigesetzt werden. Zwischen 2016 und 2021 wurden jährlich beeindruckende 112 Millionen Tonnen CO2 durch diese Aktivitäten emittiert. Dies entspricht fast einem Drittel der weltweiten Emissionen aus der Grundschleppnetz-Fischerei, die insgesamt auf bis zu 370 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt werden. Schockierenderweise fand etwa 23 Prozent dieser Fischerei in Meeresschutzgebieten statt, wobei in Ländern wie Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Spanien über 25 Prozent der Aktivitäten in geschützten Gewässern stattfanden.
Die Zerstörung von Lebensräumen
Die Netze, die teilweise die Größe von zwölf Boeing 747 erreichen, sind nicht nur eine Bedrohung für die Fischbestände, sondern zerstören auch wichtige Lebensräume am Meeresboden. Die Regenerationsfähigkeit der Fischbestände wird dadurch erheblich beeinträchtigt. Es ist alarmierend zu wissen, dass diese Methode nur zu zwei Prozent zum in Europa konsumierten tierischen Protein beiträgt. Zudem tragen die Grundschleppnetz-Trawler zur Überfischung bei und sind für einen enormen Beifang verantwortlich, der mehr als die Hälfte des gesamten Fangs ausmachen kann.
Die Umweltauswirkungen sind gravierend. Die Tierschutzorganisation WDC schätzt, dass jährlich weltweit über 300.000 Wale und Delfine in Fischernetzen ersticken, wobei bis zu 75 Prozent der gefangenen Meeresbewohner Beifang sind. Ein aktueller Vorfall in der deutschen Ostsee, bei dem ein Buckelwal vermutlich in einem Stellnetz verendete, verdeutlicht die Dringlichkeit des Problems.
Politische Reaktionen und Forderungen
Die Studienautoren fordern ein striktes Verbot von Grundschleppnetzen in Schutzgebieten sowie eine Halbierung der Aktivitäten, um den gesellschaftlichen Nutzen zu maximieren. In dieser Hinsicht zeigen Griechenland und Schweden bereits Fortschritte, indem sie planen, die Praxis in ihren Schutzgebieten bis 2030 zu verbannen. Auch das Vereinigte Königreich hat seine Gesetze verschärft, um den Einsatz von Grundschleppnetzen in bestimmten Schutzzonen zu verbieten. Ein Vorschlag der EU-Kommission, bis 2030 aus der Grundschleppnetz-Fischerei in Schutzzonen auszusteigen, liegt seit 2023 vor, eine Entscheidung steht jedoch noch aus.
Die Grundschleppnetz-Fischerei ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein ökologisches Dilemma, das dringend angegangen werden muss. Die Gesellschaft trägt die Kosten für die Schäden, während die Gewinne größtenteils in der Fischereiindustrie verbleiben. Die Zeit drängt, und es ist an der Zeit, konkrete Schritte zu unternehmen, um unsere Meere und das Klima zu schützen.